25 Eylül 2012 Salı

Die Eşrefoğlu-Moschee


Die Eşrefoğlu-Moschee


Die Eşrefoğlu-Moschee, benannt nach dem Gründer der Eşrefoğlu Dynastie, wurde im Jahr 1297 errichtet. Der Sohn des Eşrefs, Seyyiddin Süleyman Bey hat sie errichten lassen. Die Eşrefoğlu-Moschee ist die größte Holz-moschee der Türkei. Sie ist ein beeindruckendes Zeugnis der seldschuki-schen Zimmermannskunst.
Insgesamt 46 Holzsäulen mit geschnitzten Kapitellen gliedern den Raum in eine siebenschiffige Pfeilermoschee. Die über 7 m hohen Säulen tragen eine Holzbalkendecke, an der noch Reste der alten Bemalung zu sehen sind. Belichtet wird der Raum durch ein ausgespartes Deckengeviert. Heu- te bedeckt ein Glasdach dieses offene Quadrat. Der Platz unter dem of-fenen Geviert wird als Schneedepot (Karlık) bezeichnet.

Der Bereich vor der Gebetsnische ist nach typisch seldschukischer Art von einer Kuppel überhöht. Die Kuppel selbst ist mit Fayencen und einem In-schriftenband in kufischer Schrift geschmückt. Vor allem aber verdient der Mihrab besondere Beachtung. Er stellt ein großartiges Beispiel seld-schukischer Fayencekunst dar. Geometrische Muster und das Rankenwerk der sog. zweilappigen Blüte in blau, weiß und türkis schmücken die 6 m hohe und 4,5 m breite Gebetsnische.

Die Freitagskanzel besteht aus Walnußholz. Die reich und fein geschnitz-te Tür vor der Treppe stammt noch aus der Entstehungszeit. Verse aus dem Koran in kufischer Schrift umrahmen das Türblatt, das zu den Meis-terwerken der Holzschnitzkunst gehört.


Die Tribüne für die Sänger ist ein Zutat aus osmanischer Zeit. Durch das Fenster an der Ostseite kann man einen Blick in den Grabraum des Stif-ters, seiner Frau und seines Sohnes werfen. Die Grabstätte wird heute noch als volkstümliches Heiligengrab verehrt.
Der Ursprung solcher Holzsäulenmoscheen liegen in Innerasien. In West-turkestan, zwischen Samarkand und Buchara, haben sich reich dekorier-te Holzsäulen und geschmückte Bretter aus Moscheen des 10.-12. Jh. er- halten. Geschnitzte Holzsäulen wurden auch als Stützen in turkmenischen Zelten verwendet. Die turkmenischen Nomadenstämme in Zentralasien haben, nachdem sie zum islamischen Glauben übergetreten waren, an-fänglich in Zelten gebetet. Diese tragbaren Gebetszelte wurden zum Vor- bild für die späteren Holzsäulenmoscheen.
Die Holzpfosten des zentralasiatischen Zeltbaus waren von fundamenta-ler Bedeutung. Ein von einem hornlosen, weißen Rind getragener Holz-pfosten im Zelt des Dschingis Khan galt als Sinnbild seines Weltreiches. Bei den Schamanen symbolisierte der Zeltpfosten den Himmelspfeiler und hatte sakralen Charakter.
Die Eşrefoğlu-Moschee ist der Mittelpunkt einer Külliye, die in osmani-scher Zeit durch ein großes Bad erweitert wurde. Der stattliche Bedes-ten, von 6 großen Kuppeln überdacht, stammt ebenfalls aus osmanischer Zeit. Hinter der Moschee liegt die Taş-Medrese, die nur noch als Ruine erhalten ist. Sie wurde um 1370 errichtet.    

6 Eylül 2012 Perşembe

MARMARAY ISATANBUL


Die Idee eines Bosporustunnels stammt aus dem Jahr 1860. Da der Bosporus sehr tief ist und mit damaliger Technik eine Unterquerung nicht möglich war, plante man eine Art schwebenden Tunnel, der wie eine Brücke auf Pfeilern auf dem Meeresgrund ruhen sollte. Während der folgenden Jahrzehnte wurde die Idee weiter diskutiert. Ein zweiter Plan aus dem Jahr 1902 sah Tunnelröhren vor, die auf dem Meeresgrund lagen (ähnlich wie beim 1908 eröffneten Hudsontunnel in New York). Diese und die folgenden Entwürfe wurden jedoch letztlich nicht weiterverfolgt.
Aufgrund des rasanten Wachstums der Stadt und des städtischen Verkehrs wurde die Idee in den 1980er Jahren wieder aufgegriffen. Eine umfassende Studie wurde 1987 veröffentlicht. Ein weiteres Gutachten aus dem Jahr 1998 führte schließlich zur Entscheidung, die Pläne umzusetzen.
Am 19. August 1999 unterzeichneten der türkische Staatsminister Recep Onal und der japanische Außenminister Masahiko Koumuram in Ankara eine Vereinbarung über das Projekt. Damit wurde ein erstes Darlehen in Höhe von 117 Millionen US-Dollar freigegeben. Insgesamt hatte Japan die Absicht, 886 Millionen Dollar für das 1,6-Milliarden-Projekt zur Verfügung zu stellen. Die Fertigstellung war binnen vier Jahren vorgesehen. 2004 trat die EIB hinzu.

Istanbul liegt in unmittelbarer Nähe der Nordanatolischen Verwerfung, die rund 20 km südlich der Stadt in ost-westlicher Richtung durch das Marmarameer verläuft. Die Stadt lebt deshalb in ständiger Gefahr heftiger Erdbeben. Das letzte große Erdbeben der Region forderte 1999 über 24.000 Todesopfer; das Epizentrum dieses Bebens lag bei İzmit östlich von Istanbul. Der Marmaray-Tunnel ist deshalb darauf ausgelegt, stärksten Erdbeben zu widerstehen.



Technische Daten
  • Länge gesamt: 76,3 km
    • davon oberirdische Metro-Verkehrsanbindung: 63 km
    • Unterirdische Tunnel: 13,6 km
    • davon in bergmännischer Bauweise: 9,8 km
  • Anzahl der Stationen: 37 Stück
    • davon komplett unterirdisch: 3 Stück
  • Mindestlänge der Stationen: 225 m (Minimum)
  • Personenanzahl pro Stunde und Richtung: 75.000 Personen
  • Maximale Steigung: 18 ‰
  • Maximale Geschwindigkeit: 100 km/h
  • Regel-Geschwindigkeit: 45 km/h
  • Intervall pro Station: zwei bis zehn Minuten
  • Anzahl der Züge: 440 pro Tag (Prognose für das Jahr 2015)
Das Projekt umfasst einen 13,6 km langen Tunnel und die Modernisierung von 63 km bestehender Eisenbahnstrecke, um eine leistungsfähige Bahnverbindung zwischen den Städten Gebze (Asien) und Halkalı (Europa) zu schaffen. Der Bosporus wird in einem 1,4 km langen, erdbebensicheren Tunnel unterquert, der 56 Meter unter dem Meeresspiegel unter der Meerenge hindurch führen wird. Die 11 Tunnelelemente werden vorgefertigt und am Einbauort eingebracht. Diese Röhre wird mit zwei in bergmännischem Vortrieb gebauten Tunnelröhren verbunden, die in Kazlıçeşme auf der europäischen und in Ayrılıkçeşme auf der asiatischen Seite der Stadt beginnen.
In Yenikapı, Sirkeci und Üsküdar entstehen neue unterirdische Bahnhöfe, 37 weitere oberirdische Stationen werden im Bereich der auszubauenden Strecke errichtet oder modernisiert. An der Station Yenikapı wird ein Umsteigen zur U-Bahn und zur Stadtbahn möglich sein, die Station Sirkeci entsteht unter dem europäischen Hauptbahnhof der Stadt. In Üsküdar soll es eine Umsteigemöglichkeit zur Üsküdar-Dudullu-Linie (in Planung) und in İbrahimağa zur Kadıköy-Kartal-Linie (im Bau) geben.
Die Bahnstrecke wird (bis auf den Tunnelabschnitt) dreigleisig ausgebaut: Zwei Gleise sind für den Nahverkehr vorgesehen, ein Gleis für den Personen- und Güterfernverkehr. Im Tunnel gibt es zwei Gleise, die tagsüber für den Personennah- und -fernverkehr, nachts auch für Güterfernverkehr benutzt werden sollen. Für den Personennahverkehr soll eine Beförderungsleistung von 75.000 Fahrgästen pro Stunde und Richtung erreicht werden. Die Reisezeit von Gebze nach Halkalı soll 105 Minuten betragen.
Die Baukosten des ehrgeizigen Projekts werden rund 2,5 Milliarden € betragen. Die Japan Bank for International Cooperation (JBIC) und die Europäische Investitionsbank (EIB) tragen den größten Teil der Finanzierung. Wie so häufig bei großen Bauprojekten werden auch hier die Baukosten nicht eingehalten. Mit genauen Zahlen halten sich die Verantwortlichen jedoch sehr bedeckt.
Die Bauarbeiten begannen im Mai 2004. Die Fertigstellung war für 2009 geplant, wird sich aber verzögern, da bei den Arbeiten an der Station Yenikapı Überreste des antiken Hafens von Byzanz aus dem 4. Jahrhundert gefunden wurden. Die archäologischen Arbeiten dauern zurzeit noch an, bisher ist unklar, wann die Bauarbeiten fortgesetzt werden können. Derzeit ist mit einer Fertigstellung bis 2014 zu rechnen.

3 Eylül 2012 Pazartesi

Die Kirchen von Göreme


Göreme (Maccan/Avcılar)

Göreme liegt umgeben von Tälern 10 km von Nevşehir entfernt in dem Dreieck Nevşehir-Ürgüp-Avanos. Alte Namen für Göreme waren Korama, Maciana, Macca und Avcıları. Der Name Korama wird erstmals in einer Urkunde aus dem 6. Jahrhundert erwähnt. Aus dem Dokument geht hervor, dass der Heilige Hieronymus mit 30 seiner Anhänger in Malatya zu Tode gemartert wurde und man seiner in Korama wohnenden Mutter die abgeschnittenen Hände ihres Sohnes geschickt habe. In der Tokalı-Kirche im Freilichtmuseum Göreme ist die Geschichte des Märtyrers auf großen Fresken dargestellt. Die Einwohner von Venessa, dem heutigen Avanos, haben Göreme in der römischen Zeit mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als Nekropole benutzt. Ein grosses Grabdenkmal mit zwei Säulen in einem Feenkamin mitten im heutigen Göreme sowie die zahlreichen Gräber in der Umgebung sprechen dafür.
Im frühen Mittelalter war Göreme ein bedeutendes christliches Zentrum und im 11. und 13. Jahrhundert ein an Mokissos in der Nähe von Aksaray gebundenes Bistum. Trotz der vielen Felsenklöster, -kirchen und -kapellen im Raum Göreme sind irgendwelche Unterlagen in Bezug auf die Baugeschichte nirgends zu finden. Unsere Datierung basiert auf der Fresken- und Bautechnik der Sakralbauten.




Architektur und Malerei der byzantinischen Höhlenkirchen in Kappadokien.


Die künstlerische Ausgestaltung der kirchlichen Anlagen geht in Kappadokien in die Zeit vor dem Bilderstreit zurück. Die ältesten Beispiele reichen in das 6. Jahrhundert zurück und sind noch recht einfach und unbeholfen. Sie entstammen einer volkstümlichen Kunst, die sich, aus einem provinziellen bäuerlichen Milieu hervorgegangen, fernab von den großen kulturellen Zentren wie Alexandria, Antiochia oder Konstantinopel entwickelte. Dennoch spiegeln Architektur und Malerei die gesamtbyzantinische Kulturentwicklung wider. Das Charakteristikum der kappadokischen Architektur ist, dass sie "ex negativo" entstanden ist. Die unterschiedlichen Grundrisse und Raumkörper der byzantinischen Sakralarchitektur mussten aus dem Tuff herausgearbeitet werden. So entstanden Räume durch Entfernen statt durch Aufbauen von Material.  Daraus entwickelte sich eine  nachahmende, keine konstruktive Architektur: Die Arkaden werden nicht von den aus dem Felsen gehauenen Säulen gestützt, die Gewölbe und Kuppeln haben keine eigentliche Funktion, sondern sind formales Repertoire. Rücksichten auf statische Belange musste man nicht nehmen. Die Architektur diente gänzlich den Funktionen, die die Liturgie verlangte, und erhielt dadurch symbolische Bedeutung: die Apsis mit Altar, das Synthronon, der Platz für die Kleriker, die Kuppel als Abbild des Himmels, der Narthex oder die Vorhalle für die Katechumenen, die Ikonostase und die Kanzel. An den Felsenkirchen Kappadokiens kann man alle Formen byzantinischer Sakralbaukunst in verkleinertem Maßstab studieren.  Sie reichen vom einfachen Schiff mit Gewölbe (Karabas im Tal von Soganli) bis zur Dreikonchenanlage (Tagar), vom trapezförmigen Raum, der von einer Querreihe von Pfeilern und Arkaden abgestützt ist (Sakli Kilise bei Göreme) bis zum quadratischen Kirchenschiff, bei dem vier Säulen Bögen und eine Pendentifkuppel stützen (Eski Gümüs bei Nigde) und finden ihren krönenden Abschluss in der Grundrißform des griechischen Kreuzes mit überkuppelten Nebenschiffen ("Säulenkirchen" in Göreme). Aus der Kombination zweier Kirchen entstand die ungewöhnliche Kirchenanlage von Tokali Kilise.
Die meisten Anlagen waren vollständig ins Berginnere verlegt und aus Gründen der Sicherheit von außen kaum auszumachen. Die Innenräume erreichte man über versteckte Treppen und durch unscheinbare Zugänge. Häufig steht die bewusste äußere Tarnung der Kirchen in überraschendem Gegensatz zu der oft reichen und kunstvollen Innengestaltung, der Malerei.  In Form und Inhalt stellt die byzantinische Kunst das umfassendste und beständigste künstlerische System des Mittelalters dar.

Die Bildprogramme und jedes einzelne Thema waren durch kirchliche Autorität und Überlieferung festgelegt und zu einer prägnanten Klarheit entwickelt, die über Jahrhunderte den gültigen Maßstab setzte. Alle Elemente der byzantinischen Kunst waren religiösen und formalen Konventionen verpflichtet, die der künstlerischen Freiheit Grenzen setzten, aber doch Spielräume ließen, um innerhalb dieser Grenzen eine lebendige Entwicklung der Formen und Stile zu ermöglichen. Die bildhafte Ausgestaltung der Höhlenkirchen, die bis in das 7. Jahrhundert zurückreicht, und die abrupt am Ende des 12. Jahrhunderts abbricht, spiegelt im Laufe ihrer Entwicklung die unterschiedlichsten Einflüsse wider. In der Frühzeit der kappadokischen Malerei überwiegt das ornamentale Repertoire mit geometrischen Mustern, Kreisen, Kreuzen, Flechtbändern und Ranken, die oftmals noch auf  Vorbilder der Spätantike hinweisen. Menschliche Abbildungen sind meist frontal und unbeweglich dargestellt. Erst im 9. Jahr-hundert befreit sich die Kunst von diesem starren Schema, und auch die Wandflächen werden besser genutzt. Nebeneinanderstehende Szenen und Heiligenbildnisse fügen sich in ein Netz von Feldern ein, die jeweils einer biblischen Episode vorbehalten sind. In der Regel entnahm man die Motive den Evangelien aber auch apokryphen Texten. Die Aufgabe der Bildfolgen bestand darin, Prediger in der Erklärung der Evangelien zu unterstützen und die Mönche bei der Meditation zu leiten.
Die "funktionelle" Auffassung der Bilder, die auch der mittelalterlichen Malerei in den Kirchen der Romanik zugrunde liegt, beruht auf einer graphischen Interpretation der heiligen Texte. Die großen Themen, die immer wieder auftauchen sind:
Die Kindheit Marias, die Verkündigung, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, die Darstellung im Tempel, die Taufe Jesu durch Johannes, die Wunder Jesu, der Verrat des Judas, die Verleugnung des Petrus, das Abendmahl, die Passion und Kreuzigung, die Grablegung, die Auferstehung, die Verklärung und das Pfingstfest. In der Apsis thront gewöhnlich Christus als Pantokrator, als König der Welt, manchmal umrahmt von apokalyptischen Symbolen. In den Seitenapsiden wird Maria, meist mit dem Kind, dargestellt. Jede Kirche war für die Byzantiner als Mikrokosmos Abbild der Welt.

Die Malerei hatte somit die Aufgabe, die Kirche mit Bildern von Gott, den Engeln und Menschen, von Heiligen und Stiftern zu bevölkern und so die Schöpfung zu symbolisieren. Neben der höfisch beeinflussten Kunst der Kirchen des 11. Jahrhunderts, den "Säulenkirchen" und der Tokali Kilise, gibt es Kirchen mit dem typischen Dekor einer anikonischen Kunst, so wie dies die ikonoklastische Lehre forderte. Ein Beispiel ist die Barbara Kilise
in Göreme, die fast ausschließlich mit abstrakten Motiven und Symbolen geschmückt ist, die aber aufgrund ihrer Architektur aus einer Zeit weit nach dem Ikonoklasmus zu datieren ist.
 Die Darstellungen aus dem 11. Jahrhundet, dem Höhepunkt der kappadokischen Malerei, zeigen einen hochentwickelten Stil. Die Zeichnung der Figuren gewinnt an Eleganz und Feinheit, die Regel der Frontalität wird zunehmend aufgelöst, die Gesichter bekommen individuelle Züge, die Gesten werden lebendiger und die Hände sind von starker Ausdruckskraft. Die "nassen" Gewänder, die sich eng an die Körper anschmiegen und ihre Formen zur Geltung bringen, sind ein charakteristisches Merkmal dieser Periode. Der Ausdruck der Figuren, die die Kuppeln, Gewölbe, Zwickel, Laibungen und die Wände der Kirchen bedecken, verleiht dieser Kunst in Kappadokien den Charakter einer intensiven Spiritualität und einer tiefgehenden mystischen Ausstrahlung.  Die Säulenkirchen von Göreme spiegeln die höfische Kunst Konstantinopels in allen Elementen wider. Möglicherweise sind Künstler, die wohl einer Malschule angehörten, von dort hierher gekommen, um im Auftrag wohlhabender Bürger dieser Gegend die Kirchen auszumalen. Das Repertoire an Szenen ist, bis auf Details, in allen drei Kirchen einheitlich.

Göreme, ein Rundgang.
Im Dreieck zwischen Nevsehir, Ürgüp und Avanos, in einem Gebiet von mehr als 300 qkm, findet man zahlreiche Kirchen und Klosteranlagen, die teilweise schon in sehr früher Zeit in die Felsen gehauen wurden, teilweise aus der Zeit der Hochblüte des byzantinischen Reiches im 10. und 11. Jahrhundert stammen. Die schönsten Beispiele der Architektur und Malerei in Kappadokien stellen die Felsenkirchen von Göreme dar. Das Areal der sechs Höhlenkirchen und mehrerer Klosteranlagen im Talkessel von Göreme ist als Open Air Museum eingerichtet worden. Dieser Bereich von Göreme war ausschließlich ein religiöses Zentrum. In frühchristlicher Zeit eher unbedeutend bildete es zusammen mit den Kirchen und Klöstern von Cavusin und Zelve eine Gemeinschaft. Nach dem Ende des Bilderstreits entwickelte sich das Tal zu einem Zentrum der monastischen Besiedelung. Den Höhepunkt der künstlerischen Entwicklung erreichte Göreme im 11. Jahrhundert mit dem Bau der Säulenkirchen. Im unteren Teil des Museums, über der jäh abstürzenden Schlucht, liegt die Basilius Kirche, ein einfacher Kirchenraum mit Apsiden. Die ornamentale Ausstattung stammt noch aus der Zeit des Bilderstreits. Später wurden auf die nicht verputzte Wand Bilder aufgetragen, unter ihnen die Darstellung des hl. Basilius.

Oberhalb der Basilius Kirche liegt die Elmali Kilise, die Apfel-Kirche, die ihren Namen wohl von einem einstmals hier stehenden Apfelbaum erhalten hat. Die interessanteste Szene ist die Darstellung der Taufe Christi in der Südwest-Ecke des Raumes. Im Jordan ist eine aufrecht stehende Säule abgebildet, die an die Taufe Christi erinnern soll. In byzantinischer Zeit wurde diese Säule von Pilgern, die ins Heilige Land zogen, gesehen und beschrieben.
Direkt nebenan liegt die  Barbara Kilise. Die kunstvolle Fassade mit Giebel und Blendarkade ist trotz Erosion eindrucksvoll erhalten. Die Innenausstattung unterscheidet sich grundlegend von der der anderen Kirchen in Göreme. Dem Eingang gegenüber sind den heiligen Georg (s. Kasten) und Theodor im Kampf mit dem Drachen dargestellt. An der Westwand befindet sich ein Gemälde der hl. Barbara, nach der diese Kirche benannt ist. Besondere Aufmerksamkeit ziehen die schwer deutbaren, einzigartigen, in roter Farbe aufgetragenen Ornamente auf sich. Stilisierte Zypressen und ein Hahn(?), ein Symbol der Wachsamkeit (?), daneben byzantinische Standarten (?) und rätselhafte Insekten, deren Deutung möglicherweise in esoterischen Bereichen zu suchen ist, bedecken, unbeholfen in ihrer Darstellung, die Wände der Kirche, die wegen ihrer architektonischen Gestaltung wohl auch erst im 11. Jahrhundert entstanden ist.
Man steigt nun zum Felsrund hinauf und erreicht zuerst die Yilanli Kilise, die Kirche mit der Schlange, aus dem 11. Jahrhundert, die ihren Namen dem großen Fresko an der linken Wand des einfachen Tonnengewölbes verdankt, an das sich eine von Schranken abgetrennte Apsis anschließt. Wahrscheinlich war dieser Raum zunächst eine Begräbnisstätte, bevor er zu einer Kirche erweitert wurde. Auch hier sind wieder die Reiterheiligen Georg und Theodor im Kampf mit dem Drachen dargestellt. Neben dieser Szene sind der Kaiser Konstantin und seine Mutter, die hl. Helena, abgebildet, die das hl. Kreuz halten. Die hl. Helena trat schon sehr früh zum Christentum über und unternahm aufgrund einer Vision noch im hohen Alter eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, um das hl. Kreuz zu suchen. Der Überlieferung zufolge fand sie die drei Kreuze von Golgatha. Auf der gegenüberliegenden Seite sind der hl. Thomas, der hl. Basilius und der Anachoret Onuphorios dargestellt. Onuphorios lebte als Eremit im 4. oder 5. Jahrhundert in der ägyptischen Wüste. Während der 60 Jahre, die er dort zubrachte, kleidete er sich nur mit einem Lendenschurz aus Blättern. Haar und Bart wuchsen ihm bis zur Erde. Sein Ruhm verbreitete sich rasch in ganz Kleinasien und gab den Anlass für diese Darstellung. Die abenteuerlichen
Berichte in manchen Reiseführern und von Reiseleitern, die, von der stark modellierten Brustmuskulatur inspiriert, in dieser Figur eine in einen Mann verwandelte Frau erkennen und die Darstellung in den Zusammenhang von entsprechenden Legenden -Bekehrung einer Hure oder die Errettung einer christlichen Prinzessin vor dem Heiratswerben eines islamischen Emirs rücken wollen, sind reine Phantasieprodukte. Im weiteren Verlauf des ausgeschilderten Weges kommt man zu einem gut erhaltenen Refektorium  mit aus dem Fels gearbeitetem Tisch und Sitzbänken, die 40 - 50 Mönchen Platz boten. Die Klosteranlage umfasst drei Räume: Küche, Keller und Refektorium, die an einem Gang nebeneinander liegen. Die bedeutendste Kirche im Talkessel von Göreme ist die Karanlik Kilise, die dunkle Kirche. Ihren guten Erhaltungszustand . Da sie fast völlig von natürlichem Licht abgeschottet war, konnten die Fresken ihre ursprüngliche Leuchtkraft bewahren. Die Figuren, vor allem aber die Gesichter, sind nahezu unversehrt, so dass sie einen besonderen Schatz im Rahmen der figürlichen Ausgestaltung der Kirchen darstellen. Der Kreuzkuppelkirche ist ein Narthex vorgelagert, dessen Inneres durch den Abbruch der Wand von außen sichtbar ist. Die Bilderfolge im Innern entspricht dem traditionellen Programm des 11. Jahrhunderts mit den Merkmalen des strengen byzantinischen Symbolismus der Zeit. Auffällig ist die Verwendung der blauen Farbe, die aus dem teuren Azurit Gestein gewonnen wurde.

Am Ende des Weges erreicht man die Carikli Kilise, die Kirche mit den Sandalen, zu der man über eine Eisentreppe hinaufsteigt. Sie trägt ihren Namen entweder wegen der Fußabdrücke im Boden oder wegen der Figuren, die vornehmlich Sandalen tragen. Es ist eine Zweisäulenkirche mit kreuzförmigem Grundriss und besitzt vier Kuppeln. Die Innenausmalung fügt sich in das ikonographische Programm der klassischen byzantinischen Malerei ein.
Hier endet der Rundgang. Auf dem Weg zum Ausgang umrundet man einen einzeln stehenden Tuffkegel, in den hinein eine ausgedehnte Klosteranlage gebaut wurde. Die Klosterkirche besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit vier von Kapitellen bekrönten Säulen. Küchen und der Speisesaal lagen in einer unteren Etage. In der Spitze des Tuffkegels befinden sich Kammern mit Nischen, in denen möglicherweise Ikonen aufgestellt waren.         





Freilichtmuseum

Ende des zweiten Jahrhunderts siedelten bereits viele Christen in Kappadokien. Aus dieser Zeit sind zwei Bistümer bekannt, eines in Malatya und eines in Kayseri. Im dritten Jahrhundert entwickelten glaubensstarke Mönche die Gegend zu einem lebendigen religiösen Zentrum. Das vierte Jahrhundert gehörte dem Heiligen Basileos, Bischof von Kayseri, dessen Bruder Gregor von Nyssa und Gregor von Nazianus. Diese christlichen Geistesgrössen bündelten das gesamte christliche Gedankengut und gaben ihm eine neue Form (Trinitätslehre). Noch heute ist die Lehre des Heiligen Basileos für die christliche Welt von hoher Bedeutung. Basileos war kein theoretisierender Frömmler, sondern praktizierender Christ, der fernab von Dörfern und Städten kleine Siedlungen als moralisch-ethische Zufluchtsstätten für den Menschen gründete.
Hier hat er über seine Auslegung einer christlichen Lebensführung gepredigt anstatt traditionelle Lehrmeinungen zu wiederholen. Dieses wurde jedoch wie auch in Ägypten und Syrien von den anderen christlichen Gruppen nicht angenommen. Die bedeutende Reform, die Basileos in Kappadokien durchgeführt hat, sollte in Form gemeinsamer Gebete neu eingeführt werden. Dieses Lehrsystem wurde in Göreme erstmals praktiziert und hat sich dann auf Soğanlı, Ihlara und Açıksaray ausgeweitet.



Die Kirchenarchitektur von Göreme
Die in Göreme am häufigsten anzutreffende Kirchenform mit einem weiten, überwölbten Raum war für die hier lebenden Religionsgemeinschaften und Einsiedler die angemessene, auch Grabkammern wurden so angelegt. Der quer geteilte Raum mit rechteckigem Grundriss ist mesopotamischen Ursprungs. Die besonders in Göreme häufig anzutreffenden Sakralbauten in dieser Art wurden von fremden Gemeinden errichtet. Kirchenbauten mit zwei gleich grossen Räumen sind selten. In Göreme ist nur die St. Eusthatios-Kirche so gebaut. In Soğanlı und Ihlara stehen einige. Bevorzugt wurde dieser Typ bei Bischofskirchen wie zum Beispiel der Durmuş Kadır-Kirche.
Der Bau von großen und architektonisch reichen Kirchen war schon aufgrund des Standplatzes unmöglich.
Die Fresken wurden entweder direkt auf die Felswand wie bei der Basileos-, Barbara- und Elmali-Kirche oder auf die mit einem Gemisch aus Gips, Sand und Stroh verputzte Felswand mit Läppchen oder Pinsel aufgetragen und stellen mit Ausnahme der geometrischen Motive aus der ikonoklastischen Periode samt und sonders Szenen aus der Bibel und Heilige dar.
Die Tokalı Kirche
Die Kirche ist die älteste im Gebiet und besteht aus vier Gebäuden, der Eski (Alten) Kirche, einer Kirche unter der Alten Kirche, der Yeni (Neuen) Kirche und der an der Nordseite der Neuen Kirche gelegenen Kapelle.
Die zu Beginn des 10. Jahrhunderts gebaute Alte Kirche ist heute praktisch die Eingangshalle zur Neuen und war im Original ein einräumiges Gewölbe. Beim Anbau der Neuen Kirche an der Ostseite wurde die Apsis der Alten Kirche abgerissen. Die Fresken, das Leben Jesu darstellend, setzen sich, beginnend im rechten Seitenflügel am oberen Wandabschnitt, am oberen Wandabschnitt des linken Seitenflügels fort. Die Heiligenbilder in der Mitte des Gewölbes sind durch Friese von den übrigen Fresken getrennt. Die Fresken stellen im oberen Band des rechten Flügels die Verkündigung, den Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria, den Beweis der Jungfräulichkeit Marias, die Reise nach Bethlehem und die Geburt dar; im oberen Band des linken Flügels die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Ermordung der unschuldigen Kinder auf Befehl von Herodes, die Flucht nach Ägypten, Jesus im Tempel, den Tod des Zacharias; im mittleren Band des rechten Flügels den Besuch Marias bei Elisabeth, den Missionierungsauftrag an Johannes den Täufer, die Prophezeiung Johannes des Täufers, Jesus und Johannes den Täufer, die Taufe, die Hochzeit zu Kanaan; im mittleren Band des linken Flügels das Weinwunder, den Missionierungsauftrag an die Apostel, die Heilung des Blinden, die Auferstehung des Lazarus von den Toten; im unteren Band des rechten Flügels die Reise nach Jerusalem, das Abendmahl, den Judas-Kuss und Jesus vor Pontius Pilatus; im unteren Band des linken Flügels Jesus auf dem Weg nach Golgatha, Jesus am Kreuz, Jesu Abnahme vom Kreuz, Jesu Grablegung, die Frauen am leeren Grabe sowie Jesu Weg ins Reich der Toten und Jesu Himmelfahrt dar. Unter diesem Band sind noch Heilige und über dem Eingang die Verklärung dargestellt.
Die Neue Kirche ist ein rechteckiges, quer geteiltes Gewölbe mit vier durch Bögen miteinander verbundenen Säulen an der Ostwand, hinter denen ein Gang ansteigt, der zur Hauptapsis mit ihren beiden Seitenapsiden führt. Im Kirchengewölbe ist das Leben Jesu in überwiegend blauen und roten Farben dargestellt. Das lapislazuli-farbene Blau ist charakteristisch für die Tokalı-Kirche. In der Querteilung des Kirchenraumes sind das Leben des Heiligen Basileos, verschiedene Heilige und die Wunder, die Jesus vollbracht hat, dargestellt. Die Neue Kirche wurde Ende des 10. oder zu Beginn des 11. Jahrhunderts gebaut. Die Fresken im linken Flügel stellen den Missionsauftrag an Johannes den Täufer, die Taufe, Jesus im Tempel, den Missionsauftrag an Matthäus und die Apostel und die Hochzeit zu Kanaan dar; im rechten Flügel die Flucht nach Ägypten, die Versuchung Jesu, Jesus mit 12 Jahren; in der Gewölbemitte die Himmelfahrt Jesu und die Weisung der Apostel zum Wege Gottes; im südlichen Gewölbeflügel die ersten Diakonen, die Ausgießung des Heiligen Geistes und wiederum die Weisung der Apostel zum Wege Gottes; an der Gewölbesüdwand nichtvollendete Engel, darunter Heilige und ganz unten die Heilung des Sohnes des reichen Mannes, der Tochter des Jairus und des Lahmen, die Auferstehung des Lazarus von den Toten, die Reise nach Jerusalem und das Abendmahl; im Westflügel die Fußwaschung, an der Hauptapsis Jesus am Kreuz, die Abnahme Jesu vom Kreuz, die Frauen am leeren Grabe und den Weg Jesu in das Reich derToten; an derVorderfront der Apsis die ersten Diakonen, Jesus und die Frau von Samarra (Sumera), im Eingang Maria mit dem Jesuskind und an der Nordapsis Propheten und Engel.

Die Mönchs- und Nonnenkloster 

Das links des Eingangs vom Göreme-Freilichtmuseum liegende sechs- bis siebenstöckige Felsenhaus ist als Nonnenkloster bekannt. In der ersten Etage befinden sich der Speisesaal, die Küche und einige Zimmer, in der zweiten eine zerfallene Kapelle, in der dritten eine durch einen Felskamin erreichbare Kirche mit einem Kreuzgewölbe, vier Säulen und drei Apsiden. Dem Templon an der Hauptapsis begegnet man selten. Neben den auf den unverputzten Fels aufgetragenen Fresken aus dem Leben Jesu verlaufen rote Schmucklinien. Die einzelnen Etagen sind durch tunnelähnliche Felskamine miteinander verbunden. Die engen Tunnel konnten wie auch in den unterirdischen Städten bei Gefahr durch dicke runde Steinplatten verschlossen werden. Von dem rechts vom Museumseingang befindlichen Mönchskloster kann nur das Erdgeschoss mit einigen Räumen besichtigt werden, die übrigen Etagen sind eingestürzt und für die Besichtigung gesperrt.
Die St. Basileos Kapelle
steht im Eingangsbereich des Freilichtmuseums. In dem von Säulen unterteilten Vorraum befinden sich Grabhöhlen. Die im 11. Jahrhundert errichtete Kapelle ist ein rechteckiges Gewölbe mit drei Apsiden an der linken Längsseite. Die Fresken stellen an der Hauptapsis ein Jesus-Portrait, an der Vorderseite Maria mit dem Jesuskind, an der Nordmauer St. Theodorus auf einem Pferd, an der Südmauer St. Georg, ebenfalls auf einem Pferd und mit dem Drachen kämpfend, St. Dimitrius und zwei weitere Heilige dar.
Die Elmalı Kirche
hat neun Kuppeln, vier Säulen, drei Apsiden, einen Grundriss in Form des griechisch-orthodoxen Kreuzes und wurde Ende des 11. oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts erstellt. Geometrische Motive und Kreuze wie in der St. Basileos-Kapelle und in der Barbara-Kirche sind auf den unverputzten Fels aufgetragen. Die Fresken stellen die Deesis, die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Taufe, die Auferstehung des Lazarus von den Toten, die Verklärung, die Reise nach Jerusalem, das Abendmahl, den Judas-Kuss, Jesus auf dem Weg nach Golgatha, Jesus am Kreuz, die Grablegung und Jesu Weg ins Reich der Toten, die Frauen am leeren Grabe, die Himmelfahrt Jesu und Heilige dar, ferner aus dem Alten Testament die Gastfreundschaft des Propheten Abraham und die Verbrennung der Drei Jünglinge im Feuerofen dar.
Die St. Barbara Kapelle
liegt hinter dem Felsen mit der Elmalı-Kirche. Sie hat einen kreuzförmigen Grundriss, zwei Säulen, eine Haupt- und zwei Nebenapsiden. Süd-, West- und Nordflügel sind überwölbt, die Mitte und der Ostflügel überkuppelt. Geometrische Motive und Fabelwesen in reicher Zahl sind mit roter Farbe auf den unverputzten Fels unter der Kuppel und auf die Wände aufgetragen. Ausserdem wurde ein Muster gemalt, das Mauerwerk vortäuschen soll. Die Kirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts.
Die Fresken stellen Jesus Pantokrator an der Hauptapsis, im rechten Flügel St. Georg auf dem Pferd und mit dem Drachen kämpfend und St. Theodorus dar und im rechten Flügel St. Barbara.
Die Yılanlı oder St. Onouphrios-Kirche
aus dem 11. Jahrhundert hat einen quergeteilten, viereckigen und überwölbten Raum und einen kleineren Zusatzraum mit einer geraden Decke an der Südseite, in dem Gräber eingelassen sind. Die Apsis wurde in die linke Längswand eingemeisselt und, ohne sie zu vollenden, belassen. Der Eingang liegt an der Nordseite. Beidseitig des Gewölbes sind in Kappadokien verehrte Heilige abgebildet.
Die Fresken stellen links gegenüber dem Eingang Jesus mit der Bibel in der Hand, im Ostteil St. Onesimus, St. Georg und St. Theodorus mit dem Drachen kämpfend, die das wahre Kreuz tragende Helena und Konstantin; im Westteil die unbekleidete, langhaarige und vor einer Palme stehende Onouphrios und an ihrer Seite die Heiligen St. Thomas und St. Basileos, letzterer ein Buch in der Hand haltend, mit segnender Gebärde.
Im ersten nachchristlichen Jahrhundert lebten der Religion stark verhaftete Einsiedler in der ägyptischen Wüste. Um die Lebensphilosophie dieser Eremiten kennenzulernen, ging der Heilige Paphnutius im 4. Jahrhundert ebenfalls dorthin und lernte dabei die Eremitin Onouphrios kennen, die ein beispielhaftes Eremitendasein führte und der er, als sie starb, beistand.
Küchen-, Lager- und Essräume
Zwischen der Yılanlı- und der Karanlık-Kirche befinden sich drei miteinander verbundene Räume. Der erste ist ein Lagerraum mit Vertiefungen in den Wänden für die Vorräte, der zweite eine Küche mit einem tandır (Erdofen) Und der dritte der Essraum. Hier steht links vom Eingang eine steinerne Platte mit einer steinernen Sitzbank für etwa 40 - 50 Personen, und rechts eine Traubenpresse.
Die Karanlık Kirche
wurde Ende des 11., Anfang des 12. Jahrhunderts gebaut. Den rechteckigen, überwölbten Vorraum betritt man über eine gebogene Treppe an der Nordseite. An der Südseite des Vorraums liegt ein Grab. Das Kirchengewölbe hat einen kreuzförmigen Grundriss, eine Zentralkuppel, vier Säulen und drei Apsiden. Sie wird die Dunkle Kirche genannt, weil das Licht nur durch ein einziges kleines Fenster im Vorraum einfallen kann. Das ist auch der Grund für den guten Zustand der Farben, mit denen die Fresken gemalt wurden. Der Vorraum und das Kirchengewölbe sind mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament reichlich geschmückt. Die Fresken stellen die Fürbitte, die Verkündigung, die Reise nach Bethlehem, die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Taufe, die Auferstehung des Lazarus von den Toten, die Verklärung, die Reise nach Jerusalem, das Abendmahl, den Judas-Kuss, Jesus am Kreuz, Jesu Weg ins Reich der Toten, die Frauen am leeren Grabe, den Missionierungsauftrag an die Apostel, Jesu Himmelfahrt, die Gastfreundschaft des Propheten Abraham und die Drei Jünglinge im Feuerofen dar.
Die St. Katharinenkirche
liegt zwischen der Karanlık- und der Çarıklı-Kirche. Sie wurde im 11. Jahrhundert von einer Dame namens Anna in Auftrag gegeben und der Heiligen Katharina geweiht. Sowohl Vor- als auch Hauptraum haben einen kreuzförmigen Grundriss, der Hauptraum hat eine Zentralkuppel und Seitengewölbe. In den Boden des reliefgeschmückten Vorraumes sind neun Gräber eingelassen und in die Seitenwände zwei Grabnischen. Die Fresken im Hauptraum stellen an der Apsis die Deesis, darunter in Medaillons die Kirchenväter Gregor, Basileos und Johannes Chrysostomos; im Nordflügel an der Südwand St. Georg zu Pferde, gegenüber St. Theodorus, St. Katharina und andere Heilige dar.
Die Sandalias oder Çarıklı Kirche
hat zwei Säulen und zwei Eckpfeiler, ein Kreuzgewölbe, drei Apsiden und vier Kuppeln und stammt aus dem späten 12. Oder frühen 13. Jahrhundert. Ihr Name stammt vermutlich von den Fussspuren auf dem Fresko, das Jesu Himmelfahrt darstellt. Die Fresken sind in der Regel gut erhalten, weisen lange, grosse Figuren auf und ähneln denen in der Elmalı- und Karanlık-Kirche.
Die Darstellungen von Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung und die Kreuzigung selber sind jedoch nur in der Çarıklı-Kirche vorhanden. Unter der Zentralkuppel sieht man Jesus Pantokrator, umgeben von Medaillons mit Brustbildern von Engeln, an der Hauptapsis die Deesis, an der Nordapsis Maria mit dem Kind, an der Südapsis den Erzengel Michael. Die Wandfresken stellen die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Taufe, die Auferstehung des Lazarus von den Toten, die Verklärung, die Reise nach Jerusalem, den Judas-Kuss, die Frauen am leeren Grabe, die Himmelfahrt Jesu und Heilige dar.

Die Kirchen von Göreme 

Die Durmuş Kadir Kirche
ist eine Basilika aus dem sechsten, siebten Jahrhundert mit groben Säulen, einem Taufbecken und einem Predigersitz mitten im Kirchenraum. Im Vorraum sind einfache Grabstellen in die Wände eingemeißelt. Die Kirche ist mit sehr schönen Felsenreliefs geschmückt und wurde nach dem Besitzer des Weinbergs benannt, in dem sie steht.
Die Yusuf Koç Kirche
ist ebenfalls nach dem Besitzer des Platzes, auf dem sie steht benannt. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert, hat einen kreuzförmigen Grundriss mit dem entsprechenden Gewölbe, vier (zerbrochene) Säulen und zwei Apsiden.
Die El Nazar Kirche
liegt in dem gleichnamigen Tal, das man etwa 800 m nach rechts abbiegend von dem Weg, der zum Göreme-Freilichtmuseum führt, findet. El Nazar könnte man mit 'Schicksal' übersetzen. Die Kirche in einem Feenkamin hat einen T-förmigen Grundriss mit Seitengewölben. Die teilweise zerstörte Zentralapsis liegt auf dem Schnittpunkt des T-Balkens. Der Boden ist völlig zerstört. Die Fresken stammen aus dem 10. Jahrhundert und stellen die Verkündigung, den Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria, die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Flucht nach Ägypten, Jesus im Tempel, Maria bei Elisabeth, die Taufe, den von den Toten auferstandenen Lazarus, die Verklärung, den Weg nach Jerusalem, Jesus am Kreuz, Jesu Weg ins Reich der Toten und die Himmelfahrt Jesu sowie in Medaillons Heilige dar.
Die Saklı Kirche
wurde erst 1957 in der Nähe der El Nazar-Kirche entdeckt und heisst deshalb 'Versteckte Kirche'. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gebaut, hat einen rechteckigen Grundriss und drei Apsiden. Der Hauptraum ist durch zwei Säulen mit drei Bögen zweigeteilt. Die Kirchenarchitektur ist mesopotamischen Ursprungs. Die gerade Decke ist mit Kreuzen und geometrischen Motiven bemalt. Diese und die Fresken sind auf den unverputzten Fels aufgetragen. Im Umkreis der Kirche wurden viele Farbläppchen gefunden. Eine Untersuchung ergab, dass diese anstelle von Pinseln für die Freskenmalerei benutzt wurden.
Die Fresken stellen die Deesis (Fürbitte), die Verkündigung, die Geburt, Jesus im Tempel, den Missionierungsauftrag an Johannes den Täufer, die Tauf, die Verklärung, Jesus am Kreuz, Marias Tod und Heilige dar.
Die Marien- oder Kılıçlar Kuşluk-Kirche
Die Marienkirche (11. Jh.) liegt hinter der Tokalı-Kirche an dem Steilhang südlich der Kılıçlar-Kirche etwa 250 m vom Göreme Freilichtmuseum entfernt. Der rechteckige, quer geteilte Kirchenraum hat zwei unterschiedlich hohe und große Gewölbe.
Die Fresken stellen die Deesis, die Reise nach Bethlehem, die Geburt, Jesus am Kreuz, den Tod der Maria und Heilige dar.
Die Kılıçlar Kirche
im gleichnamigen Tal etwa 600 m nordöstlich des Göreme-Freilichtmseums stammen aus dem späten 9. bzw. frühen 10. Jahrhundert. Die 'Schwerter'-Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss, vier Säulen, eine Zentralkuppel, an der Westseite Eckräume, eine glatte Decke und an der Ostseite drei überkuppelte Apsiden.
Die Fresken stellen die Voraussagen der Propheten, die Verkündigung, den Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria, den Beweis der Jungfräulichkeit Marias, Josefs Anschuldigung, die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, den Traum des Josef, die Flucht nach Ägypten, Jesus im Tempel, den Missionierungsauftrag an Johannes den Täufer, Jesus mit Johannes dem Täufer, die Taufe, Jesus und Zacharias, die Heilung des Blinden, die Reise nach Jerusalem, das Abendmahl, die Fusswaschung, die Kommunion der Apostel, den Judas-Kuss, Jesus vor Hanna und Kaiphas, Jesus vor Pontius Pilatus, die Verleugnung von Jesus durch Petrus, Jesus auf dem Weg nach Golgatha, Jesus am Kreuz, die Abnahme Jesu vom Kreuz, die Grablegung Jesu, Jesu Weg ins Reich der Toten, die Frauen am leeren Grab, den Missionierungsauftrag an die Apostel, Jesu Himmelfahrt, die Ausgiessung des Heiligen Geistes, Marias Tod und Heilige dar.



5 Haziran 2012 Salı

Augustus Tempel Ankara & das Monumentum Ancyranum


Das Monumentum Ancyranum (Ankara ) von  römischen Kaisers Augustus

Res Gestae Divi Augusti  & „die Taten des göttlichen Augustus“  waren der Leistungs- oder Rechenschaftsbericht des ersten römischen Kaisers Augustus, eine in der ersten Person verfasste Darstellung seines Lebens, seiner Verdienste und Ehrungen. Nach der am besten erhaltenen Kopie wird das Werk auch Monumentum Ancyranum genannt. Theodor Mommsen, der auch einen bis heute wichtigen Kommentar verfasst hat, bezeichnete die Res Gestae als „Königin der antiken Inschriften“.

Das Original der Res Gestae wurde gemäß dem Testament des Augustus auf zwei Bronzepfeilern vor dem Augustusmausoleum in Rom aufgestellt, die allerdings nicht erhalten sind. Der Text ist nur aus einer Reihe von inschriftlichen Kopien in verschiedenen Städten des römischen Reiches bekannt.

Am wichtigsten ist die fast vollständig erhaltene Kopie der originalen lateinischen Fassung mit einer griechischen Übersetzung, die an den Wänden des Tempels für Augustus und Roma in Ancyra (jetzt Ankara, Türkei), der Hauptstadt der Provinz Galatien, angebracht war. Sie wird als Monumentum Ancyranum bezeichnet (dieser Titel wird oft auch für die Res Gestae Divi Augusti generell verwendet). Das Monumentum Ancyranum wurde 1555 von einem Gesandten des deutschen Kaisers, Ogier Ghislain de Busbecq entdeckt. 1847 erschien eine Ausgabe von August Wilhelm Zumpt. Archäologisch-epigraphische Forschungen im 19. und 20. Jahrhundert (Theodor Mommsen, Martin Schede, Wilhelm Weber) haben die Textgestaltung überprüft.

Weitere, nur sehr fragmentarisch erhaltene Kopien sind aus zwei Städten in Pisidien bekannt:

Apollonia (nur griechisch), genannt Monumentum Apolloniense, entdeckt 1821, weitere umfangreichere Fragmente 1930. Die Inschrift stammt von einer Basis, auf der Statuen des Augustus, des Tiberius, der Livia, des Germanicus und des jüngeren Drusus standen. Antiochia (lateinisch), genannt Monumentum Antiochenum, entdeckt 1914 und 1926. Der ursprüngliche Anbringungsort der Inschrift ist unklar (Statuenbasis oder Tor). Alle Texte zusammen erlauben es, das verlorene Original praktisch vollständig zu rekonstruieren. Übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1980.

Res gestae divi Augusti

Die Taten des vergöttlichten Augustus, mit denen er den Erdkreis der Herrschaft des römischen Volkes unterwarf, sowie die Aufwendungen, die er für das römische Staatswesen und Volk machte, eingegraben auf zwei ehernen Pfeilern, die in Rom aufgestellt sind, wiedergegeben in folgender Abschrift.
1. Mit neunzehn Jahren habe ich aus privater Initiative und aus eigenen Mitteln ein Heer aufgestellt, mit dem ich dem Staatswesen, das durch die Gewaltherrschaft einer politischen Machtgruppe unterdrückt wurde, die Freiheit wiedergab. Um dessentwillen hat mich der Senat im Konsulatsjahr des Gaius Pansa und Aulus Hirtius [43 v.Chr.] mit ehrenden Beschlüssen in seine Körperschaft aufgenommen, mir den Rang eines Konsuls bei den Abstimmungen zuerkannt sowie die militärische Befehlsgewalt übertragen. Dafür, dass der Staat keinen Schaden erleide, hieß er mich im Range eines Propraetors zugleich mit den Konsuln Sorge tragen. Das Volk aber wählte mich im selben Jahr zum Konsul, als beide Konsuln im Krieg gefallen waren, und zum Triumvirn zur Neuordnung des Staatswesens.
2. Die jenigen, die meinen Vater ermordet haben, trieb ich in die Verbannung und rächte durch gesetzmäßige gerichtliche Verfolgung so ihr Verbrechen. Und als sie darauf Krieg gegen den Staat anfingen, besiegte ich sie in doppelter Feldschlacht.
3. Kriege zu Wasser und zu Lande gegen innere und äußere Feinde habe ich auf dem ganzen Erdkreis oftmals geführt, und als Sieger habe ich den Mitbürgern, die um Gnade baten, Schonung gewährt. Auswärtige Völker, denen man ohne Bedenken Verzeihung gewähren konnte, habe ich lieber erhalten als ausrotten wollen. Etwa 500000 Bürger haben den Fahneneid auf mich geleistet. Von diesen habe ich ein gut Teil mehr als 300000 in Neugründungen angesiedelt oder nach Ableistung ihrer Militärdienstzeit in ihre Heimatorte entlassen. Und diesen allen habe ich Ackerland zuweisen oder Geld als Lohn für ihren Kriegsdienst auszahlen lassen. Schiffe habe ich 600 gekapert, abgesehen von denen, die etwa unter der Größe eines Dreiruderers waren
4. Zweimal habe ich den Triumph gefeiert in Form der Ovation und dreimal in Form des kurulischen Triumphs; einundzwanzigmal wurde ich zum Imperator ausgerufen. Der Senat hatte noch mehr Triumphe für mich beschlossen, die ich jedoch alle zurückwies. Den Lorbeer von den Rutenbündeln legte ich auf dem Kapitol nieder nach Erfüllung der Gelübde, die ich vor jedem Krieg feierlich abgelegt hatte. Wegen der von mir oder von meinen Feldherrn unter meinem Oberbefehl zu Wasser und zu Lande erfolgreich geführten Feldzüge beschloß der Senat fünfundfünfzigmal ein Dankfest für die unsterblichen Götter. Die Tage aber, an denen auf Beschluß des Senats Dankfeste gefeiert wurden, waren 890 an der Zahl. Bei meinen Triumphzügen wurden vor meinem Wagen neun Könige oder Kinder von Königen mitgeführt. Konsul war ich dreizehnmal bis zu dem Zeirpunkt, an dem ich dies schreibe, und ich habe im 37. Jahr die tribunizische Gewalt inne.
5. Die Diktatur, die mir in meiner Abwesenheit und in meinem Beisein sowohl vom Volk als auch vom Senat unter den Konsuln Marcus Maceellus und Lucius Arruntius [22 v. Chr.] angetragen wurde, habe ich zurückgewiesen. Nicht abgelehnt habe ich aber, als größter Mangel an Getreide herrschte, die Aufsicht über die Getreidebeschaffung, die ich so betrieb, daß ich innerhalb von wenigen Tagen die gesamte Bürgerschaft von Furcht und lastender Gefahr dank meiner Aufwendungen und meiner Fürsorge befreien konnte. Das mir damals angetragene jährliche Konsulat auf Lebenszeit habe ich ebenfalls nicht angenommen.
6. Als unter den Konsuln Marcus Vinicius und Quintus Lucretius [19 v.Chr.] und später unter Publius Lentulus und Gnaeus Lentulus [18 v.Chr.] und zum dritten Mal unter Paullus Fabius Maximus und Quintus Tubero [11 v.Chr.] der Senat und das römische Volk einmütig beantragten, daß ich als einzelner mit höchster Machtbefugnis zum Wahrer von Gesetz und Sitte ernannt würde, habe ich dies ebensowenig angenommen wie irgendein anderes mir angetragenes Amt, das gegen Sitte und Herkommen der Vorfahren verstieß. Was damals der Senat von mir ausgeführt wissen wollte, habe ich kraft meiner tribunizischen Amtsgewalt vollbracht. Für diese habe ich mir aus eigenem Antrieb fünfmal einen Kollegen im Amt vom Senat ausgebeten und ihn auch erhalten.
7. Triumvir zur Neuordnung des Staates war ich ohne Unterbrechung 10 Jahre lang. Erster Mann des Senats war ich bis zu dem Tag, an dem ich dies schreibe, 40 Jahre lang. Pontifex Maximus, Augur war ich, gehörte den Priesterkollegien der Quindecemviri und der Septemviri an, war Mitglied der Arvalbruderschaft, der Titiusgenossenschaft und der Fetialen.
8. Die Zahl der Patrizier vermehrte ich in meinem fünften Konsulat [29 v.Chr.] auf Geheiß von Volk und Senat. Eine Neuordnung des Senats habe ich dreimal vorgenommen. In meinem sechsten Konsulat [28 v.Chr.] habe ich, mit meinem Amtskollegen Marcus Agrippa eine Vermogensschätzung des Volkes durchgeführt. Eine solche Schätzung habe ich nach 42 Jahren erstmals wieder veranstaltet; dabei wurden 4 063 000 römische Bürger gezählt. Dann habe ich kraft meiner konsularischen Amtsgewalt wiederum eine Schätzung veranstaltet, und zwar ohne Kollegen im Amtsjahr der Konsuln Gaius Censorinus und Gaius Asinius [8 v.Chr.]. Dabei wurden 4233000 römischse Bürger gezählt. Eine dritte Zählung habe ich kraft meiner konsularischen Amtsgewalt mit meinem Sohn Tiberius Caesar als Kollegen durchgeführt unter den Konsuln Sextus Pompeius und Sextus Appuleius [14 n. Chr.]. Dabei zählte man 4937000 römische Bürger. Durch neue, auf meinen Antrag hin erlassene Gesetze habe ich viele vorbildliche Einrichtungen der Vorfahren, die schon aus dem Gedächtnis unseres Zeitalters schwanden, wieder erneuert und selbst für viele Dinge nachahmenswerte Vorbilder der Nachwelt überliefert.
9. Gelübde für meine Gesundheit beschloß der Senat durch die Konsuln und die Priester alle fünf Jahre darbringen zu lassen. Aufgrund dieser Gelübde haben öfters bereits zu meinen Lebzeiten das eine Mal die vier obersten Priesterkollegien, das andere Mal die Konsuln Spiele veranstaltet. Auch privat und in Stadtgemeinden hat die gesamte Bürgerschaft einmütig und unablässig bei allen Heiligtümern für meine Gesundheit Bittfeiern abgehalten.
10. Mein Name wurde auf Senatsbeschluß dem Kultlied der Salier beigefügt, und daß ich auf ewig unverletzlich sein und die tribunizische Amtsgewalt auf Lebenszeit innehaben sollte, wurde durch ein Gesetz bekräftigt. Pontifex Maximus zu werden anstelle meines noch lebenden Kollegen, habe ich abgelehnt, obwohl mir das Volk diese Priesterwürde antrug, die schon mein Vater innegehabt hatte. Dieses Priesteramt habe ich aber einige Jahre später unter dem Konsulat des Publius Sulpicius und des Gaius Valgius [12 v.Chr.] übernommen, nach dem Tode desjenigen, der sich diese Würde während der Bürgerkriegsunruhen angeeignet hatte. Zu meiner Wahl strömte aus ganz Italien eine riesige Menschenmenge zusammen, wie sie den Berichten nach noch niemals zuvor in Rom gewesen ist.
11. Den Altar der die Heimkehr begünstigenden Fortuna vor dem Tempel von Honos und Virtus bei der Porta Capena hat der Senat für meine Rückkehr gestiftet. Dort sollten auf sein Geheiß die Oberpriester und die Vestalinnen jährlich an dem Tag ein Opfer darbringen, an dem ich unter dem Konsulat des Quintus Lucretius und Marcus Vinicius [19 v. Chr.] aus Syrien nach Rom zurü&gekehrt war.Und die Festfeiern dieses Tages nannte man nach meinem Beinamen Augustalia.
12. Auf Beschluß des Senats wurde mir eine Anzahl von Praetoren und Volkstribunen zusammen mit dem Konsul Quintus Lucretius und den führenden Männern nach Kampanien entgegengesandt, eine Ehrung, wie sie bis heute für niemanden außer für mich beichlossen worden ist. Als ich aus Spanien und Gallien, nachdem ich in diesen Provinzen siegreiche Taten vollbracht hatte, im Konsulatsjahr des Tiberius Nero und Publius Quintilius [Varus] nach Rom zurückkehrte [13 v.Chr.], beschloß der Senat zum Dank für meine Rückkehr einen Altar des Augustusfriedens zu weihen, und zwar beim Marsfeld, wo die Beamten, die Priester und die Vestalinnen jedes Jahr auf Geheiß des Senats ein Opfer darbringen sollten.
13. Der Tempel des Janus Quirinus, der nach dem Wunsch unserer Vorväter geschlossen sein sollte, wenn im gesamten römischen Reichsgebiet zu Wasser und zu Lande durch Siege errungener Friede herrschte - dies soll, so wird überliefert, vor meiner Geburt seit Gründung der Stadt überhaupt erst zweimal geschehen sein - dieser Tempel wurde, während ich der erste Mann des Staates war, auf Anordnung des Senats dreimal geschlossen.
14. Meine Söhne, die mir das Schicksal in jugendlichem Alter entrissen hat, Gaius und Lucius Caesar, wurden mir zu Ehren auf Veranlassung des Senats und des Volkes in ihrem 15. Lebensjahr zu Konsuln designiert mit der Maßgabe, daß sie dieses Amt nach fünf Jahren antreten sollten. Und von dem Tage an, an dem sie auf das Forum geleitet worden waren, sollten sie, so beschloß der Senat, an den Staatsversammlungen teilnehmen dürfen. Die römischen Ritter aber wählten sie einstimmig zu den Ersten der Jungmannschaft und überreichten beiden silberne Rundschilde und Lanzen als Geschenk.
15. Dem Volk in Rom habe ich pro Kopf 300 Sesterzen auszahlen lassen gemäß dem Testament meines Vaters. In meinem eigenen Namen habe ich während meines fünften Konsulats [29 v.Chr.] jedem einzelnen 400 Sesterzen aus der Kriegsbeute zugewiesen, ein weiteres Mal habe ich in meinem zehnten Konsulat [24 v.Chr.] aus meinem ererbten Vermögen pro Kopf 400 Sesterzen als Spende auszahlen lassen. In meinem elften Konsulat [23 v. Chr.] habe ich zwölf Getreidespenden austeilen lassen, zu denen das Getreide aus meinem Privatvermögen aufgekauft worden war. Im 12. Jahr meiner tribunizischen Amtsgewalt [12 v. Chr.] habe ich zum dritten Mal 400 Sesterzen pro Kopf verteilt. Diese meine Spenden gingen niemals an weniger als 250000 Menschen. Als ich die tribunizische Gewalt zum achtzehnten Mal und das Konsulat zum zwölften Mal [5 v. Chr.] innehatte, habe ich an 320000 Menschen aus der städtischen Bevölkerung pro Kopf 60 Denare auszahlen lassen. Den Ansiedlern unter meinen Soldaten habe ich in meinem fünften Konsulat [29 v. Chr.] pro Mann 1000 Sesterzen aus der Kriegsbeute gegeben. Diese zur Feier des Triumphs ausgezahlte Spende haben in den Neuansiedlungen ungefähr 120000 Menschen in Empfang genommen. Als ich zum dreizehnten Mal Konsul [2 v. Chr.] war, habe ich je 60 Denare an diejenigen aus dem Volk gezahlt, die damals von Staats wegen Getreidespenden erhielten; dies waren etwas mehr als 200000 Menschen.
16. Für das Ackerland, das ich in meinem vierten Konsulat [30 v. Chr.] und später im Amtsjahr der Konsuln Marcus Crassus und Gnaeus Lentulus Augur [14 v.Chr.] den Veteranen habe zuweisen lassen, habe ich den Gemeinden Geld bezahlt. Dies ergab eine Summe von ungefähr 600 Millionen Sesterzen, die ich für Grund und Boden in Italien gezahlt habe, und eine solche von ungefähr 260 Millionen, die ich für Ackerland in den Provinzen ausgegeben habe. Das habe ich als erster und einziger von all denen getan, die Veteranen in Italien oder den Provinzen angesiedelt haben, soweit die Erinnerung unseres Zeitalters zurückreicht.Und später, unter dem Konsulat des Tiberius Nero und des Gnaeus Piso [7 v. Chr.1, ebenso unter den Konsuln Gaius Antistius und Decimus Laelius [6 v. Chr.1, Gaius Calvisius und Lucius Pasienus [4 v.Chr.], Lucius Lentulus und Marcus Messala [3 v.Chr.], Lucius Caninius und Quintus Fabricius [2 v.Chr.] habe ich die Soldaten, die ich nach Ableistung ihrer Militärzeit wieder in ihre Heimarstädte habe zurüdckführen lassen, mit Geldsummen belohnt, wofür ich etwa 400 Millionen Sesterzen aufgewandt habe.
17. Viermal habe ich mit meinem eigenen Vermögen die Staatskasse saniert, indem ich 150 Millionen Sesterzen den Kassenverwaltern übergab. Und unter den Konsuln Marcus Lepidus und Lucius Arruntius [6 n.Chr.] habe ich zur Militärkasse, die auf meinen Vorsehlag hin eingerichtet wurde, um aus ihr den Soldaten eine Abfindung zu zahlen, die zwanzig oder mehr Dienstjahre abgeleistet hatten, aus meiner Privatsehatulle 170 Millionen Sesterzen beigesteuert.
18. Von dem Jahr an, in dem Gnaeus und Publius Lentulus [18 v.Chr.] das Konsulat innehatten, habe ich, als das Steueraufkommen nicht ausreichte, bald 100000, bald noch weit mehr Menschen Getreide- und Geldspenden aus meinem eigenen Vorratslager und aus meinem eigenen Vermögen zukommen lassen.
19. Die Kurie und das daran angrenzende Chalcidicum, den Apollotempel auf dem Palatin mit seinen Säulenhallen, den Tempel für den vergöttlichten Julius, das Lupercal, die Säulenhalle am Circus Flaminius, die mit meiner Erlaubnis die Octavische hieß nach demjenigen, der schon früher an der gleichen Stelle eine solche erbaut hatte, die Weihestätte am Circus Maximus, Tempel auf dem Kapitol für Juppiter Feretrius und Juppiter Tonans, den Tempel des Quirinus, Tempel der Minerva, der Juno Regina, des Juppiter Libertas auf dem Aventin, ein Heiligtum der Laren am höchsten Punkt der Via sacra, das Heiligtum der Penaten im Bezirk der Velia, den Tempel der Juventas und den Tempel der Magna Mater auf dem Palatin; all dieses habe ich erbaut.
20. Den Tempel auf dem Kapitol und das Pompeiustheater, diese beiden Bauten ließ ich mit gewaltigem Aufwand wiederherstellen, ohne irgendeine Inschrift mit meinem Namen. Die Wasserleitungen, die an zahlreichen Stellen bereits wegen ihres Alters schadhaft geworden waren, ließ ich wiederherstellen, und die Leitung, die die Marcia genannt wird, habe ich auf das doppelte Fassungsvermögen gebracht, indem ich eine neue Quelle zuleiten ließ. Das Forum Julium und die Basilica, die sich zwischen dem Castor- und dem Saturntempel befindet, Bauten, die von meinem Vater begonnen und fast zu Ende geführt worden waren, habe ich vollendet, und als diese Basilica durch einen Brand zerstört worden war, habe ich ihren Grundriß erweitert und unter dem Namen meiner Söhne erneut mit ihrem Bau begonnen. Falls ich sie zu meinen Lebzeiten nicht vollenden kann, habe ich angeordnet, daß sie von meinen Erben fertiggestellt wird. 82 Göttertempel habe ich in Rom auf Senatsbeschluß wiederherstellen lassen, als ich zum sechsten Mal Konsul war [28 v. Chr.], und keinen dabei ausgelassen, der zu diesem Zeitpunkt erneuerungsbedürftig war. In meinem siebten Konsulat [27 v.Chr.] ließ ich die Via Flaminia von Rom bis Ariminum ausbessern sowie alle Brücken, ausgenommen die Mulvische und die Minucische.
21. Auf Privatgrund und aus der Kriegsbeute erbaute ich den Tempel des Mars Ultor und das Augustusforum. Das Theater am Apollotempel ließ ich auf einem Grund erbauen,, der großenteils aus Privathand aufgekauft war. Es sollte den Namen meines Schwiegersobnes Marcus Marcellus tragen. Weihgeschenke aus der Kriegsbeute ließ ich auf dem Kapitol, im Tempel des vergöttlichten Julius, im Apolloteinpel~ im Heiligtum der Vesta sowie im Tetnpel des Mars Ultor darbringen, die mich etwa auf 100 Millionen Sesterzen zu stehen kamen. An Kranzgold habe ich in meinem fünften Konsulat [29 v. Cbr.] 35 000 Pfund Gold, das von den Städten und Ansiedlungen Italiens zu meinen Triumphen zusammengebracht worden war, zurückgewiesen. Auch später nahm ich, sooft ich zum Imperator ausgerufen wurde, kein Kranzgold an, das mir von den Stadt- und Landgemeinden ebenso freigebig wie früher zugestanden wurde.
22. Dreimal habe ich in meinem Namen Gladiatorenspiele veranstaltet und fünfmal im Namen meiner Söhne oder Enkel. Bei diesen Spielen kämpften etwa 10 000 Mann. Zweimal bot ich dem Volk ein Kampfspiel mit Wettkämpfern, die man von überallher zusammengebracht hatte, in meinem Namen und das dritte Mal im Namen meines Enkels. Sonstige Spiele habe ich viermal in meinem eigenen Namen veranstaltet, stellvertretend für andere Beamte dreiundzwanzigmal. Für das Kollegium der Quindecemviri habe ich als Oberhaupt dieser Priesterschaft mit meinem Amtskollegen Marcus Agrippa unter dem Konsulat des Gaius Furnius und Gaius Silanus [17 v. Chr.] die Säkularfeiern abhalten lassen. Zum dreizehnten Mal Konsul [2 v. Chr.], habe ich erstmalig die Marsspiele veranstaltet, die darauf in den folgenden Jahren auf Senatsbeschluß und auf ein Gesetz hin von den Konsuln ausgerichtet wurden. Tierhetzen mit afrikanischen Tieren habe ich in meinem Namen oder in dem meiner Söhne und Enkel im Circus oder auf dem Forum oder im Amphitheater sechsundzwanzigmal für das Volk abgehalten, wobei etwa 3500 Tiere getötet wurden.
23. Das Schauspiel einer Seeschlacht gab ich dem Volk jenseits des Tiber, dort, wo sich nun der Hain der Caesaren befindet. Dazu wurde das Erdreich 1800 Fuß in der Länge und 1200 Fuß in der Breite ausgehoben. Dabei trafen 30 rammspornbewehrte Drei- und Zweiruderer und eine noch größere Zahl kleinerer Schiffe im Kampf aufeinander. Auf diesen Schiffen befanden sich als Kämpfer außer den Ruderknechten etwa 3000 Mann.
24. In den Tempeln aller Städte der Provinz Asia habe ich als Sieger die wertvollen Gegenstände wieder aufstellen lassen, die der, mit dem ich Krieg führte, durch Tempeiraub in seinen persönlichen Besitz gebracht hatte.Standbilder von mir (zu Fuß, zu Pferde und auf Viergespannen) gab es aus Silber etwa 80 in der Stadt. Diese ließ ich entfernen und aus der daraus erlösten Summe goldene Weihgeschcnke im Tempel des Apollo aufstellen, und zwar in meinem Namen und im Namen derer, die mir mit diesen Statuen Ehre erwiesen hatten.
25. Dem Meer habe ich Ruhe vor den Seeräubern verschafft. In diesem Krieg habe ich von den Sklaven, die ihren Herren entlaufen waren und Waffen gegen den Staat ergriffen hatten, fast 30 000 gefangengenommen und ihren Herren zur Bestrafung übergeben. Den Gefolgschaftseid hat mir ganz Italien aus freien Stücken geleistet und mich in dem Krieg, in dem ich Sieger bei Actium war, nachdrücklich als Führer gefordert. Den gleichen Eid geleistet haben die Provinzen Galliens und Spaniens, Afrika, Sizilien und Sardinien. Von denen, die damals unter meinen Feldzeichen kämpften, waren mehr als 700 Senatoren, und darunter waren 83, die entweder vorher oder nachher bis zu dem Tag, an dem ich dies schreibe, Konsuln geworden sind, und etwa 170 Angehörige von Priesterkollegien.
26. Das Gebiet aller Provinzen des römischen Volkes, die Volksstämme zu Nachbarn hatten, die nicht unserem Befehl gehorchten, habe ich vergrößert. Die Provinzen Galliens und Spaniens, ebenso Germanien habe ich hefriedet, ein Gebiet, das der Ozean von Gades bis zur Mündung der Elbe umschließt. Die Alpen ließ ich von der Gegend, die der Adria zunächst liegt, bis zum Tyrrhenischen Meer befrieden, wobei mit keinem Volk widerrechtlich Krieg geführt wurde. Meine Flotte fuhr von der Mündung des Rheins über den Ozean in östliche Richtung bis zum Land der Kimbern. Dorthin war zu Wasser und zu Lande bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Römer gekommen. Die Kimbern und die Charyden und Semnonen und andere germanische Volksstämme aus diesem Landstrich erbaten durch Gesandte meine und des römischen Volkes Freundschaft. Auf meinen Befehl und unter meinem Oberkommando wurden etwa zur selben Zeit zwei Heere gegen Athiopien und dasjenige Arabien geführt, das das glückliche genannt wird. Große Truppenkontingente beider Völker wurden in offener Feldschlacht niedergehauen und mehrere Städte eingenommen. In Athiopien gelangte man bis zur Stadt Nabata, die in nächster Nähe von Meroe liegt. In Arabien drang das Heer in das Gebiet der Sabäer vor bis zur Stadt Mariba.
27. Agypten habe ich dem Herrschaftsgebiet des römischen Volkes hinzugefügt. Großarmenien hätte ich nach dem Tode seines Königs Artaxes zur Provinz machen können, aber ich wollte es lieber dem Beispiel unserer Vorfahren gemäß als Königreich dem Tigranes, dem Sohn des Königs Artavasdes und Enkel des Königs Tigranes, übergeben, und zwar durch Tiberius Nero, der damals noch mein Stiefsohn war. Und ebendieses Volk, das später abfiel, einen Aufstand unternahm und von meinem Sohn Gaius niedergezwungen wurde, übergab ich dem König Ariobarzanes, dem Sohne des Mederkönigs Artabazos, zur Herrschaft und nach dessen Tod seinem Sohn Artavasdes. Als dieser ermordet wurde, sandte ich Tigranes, der dem armenischen Königsgeschlecht entstammte, in dieses Königreich. Alle Provinzen, die sich von der Adria aus nach Osten erstrecken, und Kyrene, das schon zum großen Teil von Königen in Besitz genommen worden war, und vorher schon Sizilien und Sardinien, welche beide im Sklavenkrieg besetzt worden waren, habe ich wiedergewonnen
28. Veteranenkolonien habe ich in Afrika, Sizilien, Makedonien, den beiden Provinzen Spaniens, Griechenland, Kleinasien, Syrien, der Gallia Narbonensis und in Pisidien gegründet. Italien besitzt 28 auf meine Veranlassung hingegründete Kolonien, die zu meinen Lebzeiten bereits sehr dicht besiedelt waren und großen Zuzug hatten.
29. Zahlreiche Feldzeichen, die durch andere Feldherrn verlorengegangen waren, habe ich nach dem Sieg über die Feinde zurückerhalten, und zwar in Spanien und Gallien und von den Dalmatiern.Die Parther habe ich dazu gezwungen, mir die Beutestücke und die Feldzeichen dreier römischer Heere zurückzugeben und bittflehend um die Freundschaft des römischen Volkes nachzusuchen. Diese Feldzeichen ließ ich im innersten Raum des Mars-Ultor-Tempels aufstellen.
30. Die Völker Pannoniens, mit denen kein Heer des römischen Volkes jemals zusammengetroffen war, bevor ich der erste Mann des Staates wurde, habe ich der Herrschaft des römischen Volkes unterworfen, nachdem sie von Tiberius Nero, der damals noch mein Stiefsohn und mein militärischer Stellvertreter war, besiegt worden waren. Ich habe damit die Grenzen vom Illyricum bis ans Ufer der Donau vorgeschoben. Als ein dakisches Heer über die Donau herüberkam, wurde es unter mir als oberstem Kriegsherrn vernichtend geschlagen, und später zwang mein über die Donau geführtes Heer die dakischen Volksstämme, die Herrschaft des römischen Volkes zu ertragen.
31. Zu mir wurden oftmals Gesandtschaften der Könige Indiens geschickt, die man noch niemals zuvor bei einem anderen römischen Feldherrn erblickt hatte. Unsere Freundschaft suchten durch Gesandtschaften die Bastarner und Skythen sowie die Könige der Sarmaten, die an beiden Ufern des Flusses Tanais leben, zu erhalten, desgleichen die Könige der Albaner, der Hiberer und Meder.
32. Zu mir nahmen bittflehend ihre Zuflucht die Partherkönige Tridates und später Phraates, der Sohn des Königs Phraates, die Fürsten der Meder Artavasdes und Artaxares von Adiabene, die der Britannier Dumnobellaunus und Tincommius, von den Sugambrern Maelo, und [...] rus von den suebischen Markomannen. Zu mir nach Italien sandte der Partherköisig Phraates, der Sohn des Orodes, alle seine Söhne und Enkel, nicht weil er im Krieg bezwungen war, sondern weil er mit seinen Kindern als Unterpfand unsere Freundschaft zu erlangen suchte. Auch sehr viele andere Völker haben, während ich der erste Mann des Staates war, die Bündnistreue des römischen Volkes erproben können, während sie vorher mit dem römischen Volk keinerlei Verbindung durch Gesandtschaften oder Freundschaftsverhältnisse gehabt hatten.
33. Von mir nahmen die Völker der Parther und Meder die Fürsten als Könige an, die sie durch Gesandtschaften erbeten hatten: die Parther den Vonones, den Sohn des Königs Phraates und Enkel des Königs Orodes, die Meder den Ariobarzanes, den Sohn des Königs Artavasdes und Enkel des Königs Ariobarzanes.
34. In meinem sechsten und siebten Konsulat habe ich, nachdem ich die Flammen der Bürgerkriege gelöscht hatte und mit der einmütigen Zustimmung der gesamten Bevölkerung in den Besitz der staatlichen Allgewalt gelangt war, das Gemeinwesen aus meiner Machtbefugnis wieder der Ermessensfreiheit des Senats und des römischen Volkes überantwortet. Für dieses mein Verdienst wurde mir auf Beschluß des Senats der Name Augustus gegeben. Die Türpfosten meines Hauses wurden auf staatlichen Beschluß mit Lorbeer geschmückt, und ein Bürgerkranz wurde über meinem Tor angebracht. Ein goldener Schild wurde in der Curia Julia aufgestellt, den mir der Senat und das römische Volk geweiht haben wegen meiner Tapferkeit und Milde, meiner Gerechtigkeit und Hingabe, wie es die Aufschrift auf diesem Schild bezeugt. Seit dieser Zeit überragte ich alle übrigen an Autorität, an Amtsgewalt aber besaß ich nicht mehr als die anderen, die auch ich im Amt zu Kollegen hatte.
35. Als ich mein dreizehntes Konsulat verwaltete, gaben mir der Senat, der Ritterstand und das römische Volk einmütig den Titel Vater des Vaterlandes. Sie beschlossen, dies solle inschriftlich verzeichnet werden in der Vorhalle meines Hauses sowie in der Curia Julia und auf dem Augustusforum auf der Basis des Viergespanns, das mir dort auf Senatsbeschluß hin errichtet worden war. Während ich dies schreibe, bin ich in meinem 76. Lebensjahr.
[Zusätze:]
1. Die Gesamtsumme des Geldes, das er für die Staatskasse, das römische Volk oder die Veteranen ausgab, betrug 600 Millionen Denare.
2. An neuen Bauwerken ließ er errichten die Tempel des Mars, des Juppiter Tonans und Feretrius, des Apollo, des vergöttlichten Julius, des Quirinus, der Minerva, der Juno Regina, des Juppiter Libertas, der Laren, der göttlichen Penaten, der Juventas, der Magna Mater, das Lupercal, das Heiligtum beim Circus, die Kurie mit dem Chalcidicum, das Augustusforum, die Basilica Julia, das Marcellustheater, die Octavische Säulenhalle, den Caesarenhain jenseits des Tiber.
3. Wiederhergestellt hat er das Kapitol und 82 Heiligtümer, das Pompeiustheater, die Wasserleitungen und die Via Flaminia.
4. Die Aufwendungen, die er für Theateraufführungen, Gladiatorenkämpfe, Athletenwettbewerbe, Tierhetzen und eine Seeschlacht machte, sowie die Geldgeschenke an Kolonien, Gemeinden und Städte, die durch Erdbeben oder Feuer vernichtet worden waren, oder die Beträge, die er einzeln an Freunde und Senatoren gab, deren Vermögen er damit wieder auf den früheren Stand brachte, diese Summen entziehen sich einer Berechnung.