15 Kasım 2011 Salı

Seidenstraße

                                            Seidenstraße
Als Seidenstraße bezeichnet man ein Netz von Karawanenstraßen, dessen Hauptroute das Mittelmeer mit Ostasien verbindet. Die Bezeichnung geht auf den im 19. Jahrhundert lebenden Deutschen Ferdinand von Richthofen zurück, obwohl bereits die Byzantiner eine ähnliche Bezeichnung verwendeten.

Entstehung und Geschichte


Bedeutende Handelswege der Welt im 1. Jahrhundert (die fett markierte Route zeigt den Verlauf der Seidenstraße)

Verlauf der Seidenstraße im MittelalterVerbindungen zwischen China und Europa hat es seit ältester Zeit gegeben. Sie basierten auf dem Austausch von Handelsgütern, ermöglichten diplomatische Kontakte und beförderten auch das Wissen über die jeweils andere Kultur. Diese Verbindungen bestanden aber keineswegs kontinuierlich, liefen meist über Mittelsmänner ab und waren immer wieder von längeren Zeiträumen unterbrochen, in denen Handel, Verkehr und Austausch von Informationen behindert wurden.

Eine entscheidende politische Voraussetzung für die vollständige Öffnung des östlichen Endes der Seidenstraße war die chinesische Expansion nach Westen. Unter dem Kaiser Wudi (141-87 v. Chr.) verdoppelte sich die Größe des Han-Reiches fast. Er reagierte auf Grenzbedrohungen mit der Eroberung der feindlichen Gebiete. Seine Armeen drangen weit nach Norden, Süden und Westen vor und unterwarfen zahlreiche angrenzende Staaten. Der Sieg über die Xiongnu brachte endgültig die Kontrolle über Zentralasien. Wudis Truppen nahmen Pamir und Ferghana in Besitz und so konnten die Handelswege zwischen China und dem Westen geöffnet werden. Der Handel entlang der Seidenstraße florierte und überschwemmte die Hauptstadt des Han-Reiches mit westlichen Reisenden und Luxusgütern.

Während der Ostteil nun relativ sicher war, drohte der Westen sich in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Lange Auseinandersetzungen der Römer mit den Parthern konnten erst durch das diplomatische Geschick des Augustus beendet werden und es gelang, für einige Zeit Frieden mit den Parthern zu schließen. Dieser Frieden machte auch das westliche Ende der Seidenstraße sicherer und führte zu einer Belebung des Handels mit Fernost.

Eine weitere Blütezeit erlebte die Seidenstraße dann während der Tang-Dynastie, die die Perser als dominierende Macht über die Seidenstraße ablöste. Der zweite Tang-Kaiser Tang Taizong brachte große Teile Zentralasiens sowie das Tarimbecken unter seine Kontrolle. Das byzantinische Reich konnte Teile seiner asiatischen Besitzungen zurückerobern und sich so den Zugang zur Seidenstraße sichern. Das byzantinische Reich blieb ein Hauptumschlagplatz für östliche Waren. Nach der Tang-Zeit nahm der Handelsverkehr entlang der Seidenstraße ab. Zur Zeit der „fünf Dynastien“ konnte die innere Stabilität der Tang-Dynastie nicht gehalten werden und benachbarte Völker konnten erneut die Karawanen überfallen.

Einen entscheidenden Beitrag zu einer direkteren Vernetzung von Asien und Europa leistete die Mongolenherrschaft im 13. Jahrhundert. Die mongolischen Eroberungen leiteten eine Ära häufigen und ausgedehnten Kontakts ein. Sobald sie in ihren neuen Besitztümern Ordnung und Stabilität geschaffen hatten, ließen die Mongolen sich auf Kontakte mit Fremden ein. In ihrem universalen Machtanspruch waren sie gastfreundlich zu ausländischen Reisenden, auch wenn deren Herrscher sich nicht unterworfen hatten. In dieser Zeit kam es erneut zu einer starken Zunahme des Austausches von Waren und Menschen.

Letztlich war das Mongolenreich jedoch kurzlebig. Bereits 1262 begann der Verfall des riesigen Imperiums, auch wenn der östliche Teil unter der Herrschaft Khubilai Khans länger stabil blieb. Der chinesische Nationalismus lebte wieder auf. 1368 wurde die Fremdherrschaft über China schließlich durch Installation der Ming-Dynastie beendet, welche eine aggressive Außenpolitik gegen die Mongolenstämme vertrat. Trotz des mongolischen Friedens erreichte der Handel entlang der Seidenstraße nie wieder ein Volumen wie zur Zeit der Tang-Dynastie. Der nachhaltige Niedergang der Seidenstraße setzte bereits mit der Song-Dynastie ein und wurde vor allem durch den verstärkten chinesischen Seehandel, die Entstehung neuer Märkte in Südostasien und die hohen Zollforderungen der Araber begünstigt.

Auf dem Seeweg hingegen entfielen die Gefahren der langen Reise und die Abgaben an die Zwischenhändler. Die Seidenstraße verlor im Zuge der weltweiten Expansion der europäischen Seemächte in der Frühen Neuzeit endgültig an Bedeutung. Der Handel über die Seidenstraße wurde durch Schiffe ersetzt, wobei chinesische Händler mit ihren Dschunken bis nach Indien und Arabien fuhren. Die Europäer waren seit der Song-Zeit in ihrem China-Handel stark eingeschränkt. Während der Seeexpeditionen war daher eines ihrer Hauptziele, das sagenumwobene Cathai (China) auf dem Seeweg wiederzufinden. Erst 1514 erreichten die Portugiesen China und etablierten schnell einen lebhaften Handel, später besetzt durch Spanien. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts war das Reich der Mitte der Hauptprofiteur der europäischen Kolonien in der Neuen Welt. Etwa 70% des dort gewonnen Edelmetalls wurde nach China verbracht, um dort Waren für Europa einzukaufen. Mit der Zeit ersetzten Schiffe der Handelskompanien die Seidenstraße als Verbindung nach Ostasien, um von dort Luxusartikel und Kunstgegenstände für den europäischen Adel zu besorgen.

In jüngster Zeit hat die Seidenstraße wieder an Gewicht gewonnen. Der Bau von Straßen, der durch die Entdeckung großer Ölreserven begünstigt wurde, hat den Zugang zu den unwirtlichen Gegenden erleichtert und die Region wurde industrialisiert. Auch die Handelswege an sich wurden wieder eröffnet und sind nicht zuletzt für den Tourismus bedeutend.

Verlauf und Natur 

Satellitenaufnahme des Tarim-Beckens mit der Taklamakan-Wüste, im Südwesten das Karakorum. (NASA/MODIS/Blue Marble)Älteste Berichte über den Verlauf der Seidenstraße stammen aus der griechisch-römischen Antike. Den Verlauf der Nordroute, die nördlich des Tarim-Beckens verlief, hat Herodot um 430 v. Chr. detailliert beschrieben, wobei er die Stationen der Route mit den Namen der dort ansässigen Völker bezeichnet. Nach seiner Beschreibung verlief die Nordroute von der Mündung des Don zunächst nach Norden, ehe sie dann nach Osten abbog zu dem Gebiet der Parther und von dort weiter über einen Karawanenpfad nördlich des Tienshan, der in der westlichen chinesischen Provinz Gansu endete. Eine ähnlich zusammenhängende Beschreibung der Südroute ist nicht erhalten. Versucht man sie zu rekonstruieren, dann beginnt diese Route in Mesopotamien. Sie verläuft über Ekbatana nach Kyreschata und erreicht dann den Fluss Silis. Danach sind die Angaben widersprüchlich. Ein dritter Weg bestand aus einer Kombination von See- und Landweg und setzte sich aus einer ägyptischen und mesopotamischen Route zusammen, die beide nach Bargyzaga, einem Hafen an der Mündung des Narmada in den Indischen Ozean führten. Alle drei Routen der Seidenstraße sind das Ergebnis einer sich über mehrere Jahrhunderte erstreckenden Entwicklung.

Dabei war die Seidenstraße alles andere als eine natürliche Route. Vom Mittelmeer bis nach China mehr oder weniger durch Wüste verlaufend, ist sie eine der unwirtlichsten Strecken der Erde, die durch versengtes, wasserloses Land läuft und eine Oase mit der nächsten verbindet. Hat man – von Westen kommend – die Taklamakan-Wüste erreicht, ist man umgeben von den höchsten Gebirgsketten der Erde. Nur ein paar eisige Pässe, die mit ihren tiefen Schluchten und 5000 zu überwindenden Höhenmetern zu den schwersten der Welt gehören, führen durch das Gebirge. Auch das Klima ist rau. Sandstürme sind häufig, im Sommer steigt die Temperatur auf über 40°C an und im Winter sinkt sie oft unter -20°C. Allein die immense Bedeutung der Strecke für transnationale Kommunikation zwischen Ost und West hielt diese Verbindung über die Jahrtausende aufrecht.

Außer durch Oasen wurde die Strecke auch durch militärische Stationen wie Haltepunkte zum Wechseln der Pferde unterbrochen, die den Durchgangsverkehr sicherten. Gerade durch die geographische Beschaffenheit bedingt, bildeten sich nur wenige feste Verkehrs- und Handelswege aus, die höchst verletzlich waren, und so konnten kriegerische Wirren in nur einem Abschnitt den gesamten Ost-West-Verkehr unterbrechen.

Nur wenige bereisten in der Geschichte der Seidenstraße die gesamte Strecke von etwa 8000 km. Der Handel lief immer über mehrere Zwischenstationen und jede Nation, die von der Strecke tangiert wurde, wollte ihren Profit als Zwischenhändler maximieren. Und so kam es durch die Konkurrenz untereinander immer wieder zu Konflikten, die in bewaffneten Auseinandersetzungen endeten. Allein unter der Mongolenherrschaft im 13. und 14. Jahrhundert war fast ganz Asien unter einem Herrscher vereint und dies führte zu einem sicheren und geschützten Handel.


 Transkontinentaler Austausch durch die Seidenstraße :

Auf der Seidenstraße wurden nicht nur Waren wie Gewürze, Seide, Glas und Porzellan transportiert; mit dem Handel verbreiteten sich auch Religion und Kultur. So gelangte der Buddhismus über die Seidenstraße bis nach China und Japan und wurde dort vorherrschende Religion. Auch das Christentum drang über die Seidenstraße vor bis zur damaligen Hauptstadt von China, wie eine Steintafel im heutigem Xi'an dokumentiert. Die Kenntnis von Papier und Schwarzpulver kam entlang der Seidenstraße in die arabischen Länder und gelangte von dort später nach Europa.


Handel  :

Ein europäischer Händler an der Seidenstraße in den Augen eines chinesischen Künstlers. (Tang Dynastie,7.Jh.)

Ein westasiatischer und ein chinesischer Mönch, Bezeklik, 9. Jh.Seide war für den Westen wohl das außergewöhnlichste Handelsgut, das die Seidenstraße passierte. Schließlich gab dieser Stoff der Route auch ihren Namen. Dennoch verzerrt dieser Begriff die Wirklichkeit des Handels, denn es wurden natürlich viele andere Waren über diese Handelsstraßen ausgetauscht. Karawanen in Richtung China transportierten unter anderem Gold, Elfenbein, Edelsteine und Glas. In die andere Richtung wurden vor allem Pelze, Keramik, Jade, Bronze, Lacke und Eisen getragen. Viele dieser Güter wurden unterwegs eingetauscht und wechselten so mehrmals den Besitzer bevor sie ihr endgültiges Ziel erreichten. Neben Seide waren vor allem Gewürze bis in die Neuzeit wichtige Handelswaren aus Südostasien. Sie wurden nicht nur als Würzmittel und Aromastoffe, sondern auch als Medikamente, Anästhetika, Aphrodisiaka, Parfum und für Zaubertränke verwendet.

Nichtsdestoweniger war das begehrteste chinesische Produkt die Seide. Die Entwicklung der Seidenweberei lässt sich in China bis in das 2. Jahrtausend v. Chr. zurückführen. Die Herstellung großer Mengen für den Export, einhergehend mit der Ausbildung von Seidenmanufakturen, erfolgte erst mit dem Ende der „Zeit der Streitenden Reiche“ im 3. Jahrhundert v. Chr. Zu dieser Zeit war Seide ein überaus seltener Stoff im Westen, sie gehörte wie Purpur und Glas zu den Luxusartikeln im Römischen Reich. Nur die Reichsten konnten sich bescheidene Mengen des kostbaren Stoffes leisten. In der Zeit der Pax Augusta, als auch das westliche Ende der Seidenstraße sicher war, verlangte die römische Oberschicht verstärkt nach östlicher Seide, Gewürzen und Juwelen, denn man wollte den opulenten fernöstlichen Lebensstil nachahmen.


 Organisation des Handels: 

Ein großes Problem war die Sicherheit der Handelsstraßen. Von China bis Ägypten überfielen Piraten die Karawanen auf den engsten Passagen der Route, wo sie besonders leicht an ihre Beute gelangen konnten. Das Han-Reich stattete deshalb seine Karawanen mit speziellen Verteidigungsarmeen aus und weitete die Große Mauer entlang Teilen der Route aus.

Die Organisation des transkontinentalen Handels war höchst komplex und schwierig. Hunderttausende Tiere, eine große Anzahl von Viehtreibern und Tonnen von Handelsgütern mussten versammelt und bewegt werden. Dabei mussten Mensch und Tier auf der langen Reise unter schwierigen geographischen und klimatischen Bedingungen am Leben erhalten werden. Üblicherweise bereisten die Kaufleute aber nicht die gesamte Strecke, um ihre Waren zu verkaufen. Vielmehr lief der Handel über mehrere Zwischenhändler ab. Während das westliche Ende der Seidenstraße lange die Parther, später die Sassaniden, kontrollierten, waren es in Zentralasien vor allem Nomadenstämme, die den Warenaustausch dominierten. Eine große Bedeutung als Transportmittel kam dem zweihöckrigen (bzw. baktrischen) Kamel zu, das in Zentralasien beheimatet war. Es hat den Vorteil, dass es hitzeresistenter als einhöckrige Kamele ist und ein Winterfell besitzt, so dass es gut an die kontinentalklimatypischen, extremen Temperaturschwankungen in diesen Steppen- und Bergregionen mit großen Höhenunterschieden angepasst ist. Daher wurden diese Kamele seit Beginn der Handelsbeziehungen benutzt.


 Kultur- und Techniktransfer :

Der Transfer technischer Errungenschaften, kultureller Güter oder Ideologien geschah weniger absichtlich und langfristiger als der Austausch von Waren. Fernreisen aller Art, ob aus kommerziellen, politischen, diplomatischen oder missionarischen Gründen, stimulierten den kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Gesellschaften. Lieder, Geschichten, religiöse Ideen, philosophische Ansichten und wissenschaftliches Wissen kursierten unter den Reisenden. Außerdem fand durch die Einführung neuer Nahrungsmittel auch ein agrikultureller Austausch statt. Bedeutende Techniken wie die Papierherstellung und der Buchdruck, chemische Prozesse wie die Destillation, sowie effizientere Pferdegeschirre und der Steigbügel wurden über Asien verbreitet.

 Ausbreitung von Religionen über die Seidenstraße:

Ein besonders langlebiges Gut, das über die Seidenstraße transportiert wurde, waren Religionen. So kam beispielsweise der Buddhismus über die nördliche Route von Indien nach China und Japan, am stärksten während der Nördlichen Wei-Dynastie im 4. und 5. Jahrhundert. Dem Christentum war eine Verbreitung östlich Kleinasiens – abgesehen von wenigen Ausnahmen – erst mit dem Beginn des Sassaniden-Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. möglich. Auch wenn es nie zur dominanten Religion in Zentral- und Ostasien wurde, nutzte man die Seidenstraße, um bis an die chinesische Grenze vorzustoßen. Zur Zeit des Mongolenreiches war das nestorianische Christentum, das auf den griechischen Theologen Nestorius zurückzuführen ist, eine kulturelle Waffe, mit der man rechnen musste.

Die Verbreitung des Christentums war aber eher bescheiden im Vergleich zu der des Islams, die die anderer Religionen bei weitem übertraf. Nach dem Tod Muhammads 632 n. Chr. begann sich der Islam schnell über die arabische Halbinsel zu verbreiten, und in den nächsten hundert Jahren eroberte er eine alte römische Provinz nach der anderen: Zuerst Syrien, dann Ägypten und ganz Nordafrika. Bald war auch der westliche Teil der Seidenstraße und damit der transasiatische Handel unter islamischer Kontrolle. Nach der Eroberung des Persischen Reiches setzte sich die Expansion in östlicher Richtung fort. Der Islam verbreitete sich zunächst in den städtischen Zentren entlang der Seidenstraße, später in den ländlichen Gegenden. Auch in Zentralasien, China, Bengalen und später in Indonesien entstanden Moslemgemeinden, allerdings ohne militärische Eroberung oder politische Absorption.
Auch die Religionen des Zoroastrismus und des Manichäismus – beides Lehren persischen Ursprungs – wurden über die Seidenstraße verbreitet.


 Ausbreitung von Krankheiten :

Genauso wie religiöse Vorstellungen oder kulturelle Güter, verbreiteten sich auch immer wieder Krankheiten und Infektionen entlang der Seidenstraße. Fernreisende halfen den Erregern, sich über ihr Ursprungsgebiet hinaus zu verbreiten und so Populationen anzugreifen, die weder ererbte noch erworbene Immunität gegen die Krankheiten, die sie auslösten, besaßen. So entstanden Epidemien, die zu dramatischen Konsequenzen führen konnten.

Das wohl bekannteste und folgenreichste Beispiel für die Verbreitung von Krankheiten entlang der Seidenstraße ist die Ausbreitung der Pest im 14. Jahrhundert: In den 1330er Jahren brach in China die Beulenpest aus. Die tödliche Seuche, die hauptsächlich Nagetiere befällt und über Flöhe auf den Menschen übertragen wird, ist hochansteckend. Lange Zeit trat die Beulenpest nur in der südchinesischen Provinz Yunnan auf. Im frühen 14. Jahrhundert verbreiteten Mongolenheere infizierte Flöhe von Yunnan aus über weite Teile Chinas. Von dort aus verbreitete sich die Beulenpest rasch entlang der Seidenstraße und erreichte über Handelsschiffe aus Kaffa auf der Halbinsel Krim 1348 auch Mitteleuropa. Vor allem der Transport von Pelzen begünstigte ihre schnelle Verbreitung.


 Die Bedeutung der Seidenstraße heute :

Heute hat die Seidenstraße einen eher romantischen, abenteuerlichen Stellenwert. Durch Bücher wird die orientalische Mystik der Route dem Westen näher gebracht und Reisen „auf den Spuren Marco Polos“ ziehen eine wachsende Zahl von Touristen in diese abgelegenen Regionen. China erkannte das touristische Potential sehr schnell, nachdem es in den späten 1970ern seine Türen für ausländische Reisende öffnete. Dies führte dazu, dass viele Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler entlang der Seidenstraße restauriert wurden und man von offizieller Seite Sorge für die Erhaltung dieser Monumente trägt. Überdies wurde mit archäologischen Ausgrabungen dem Leben entlang der Seidentrasse nachgespürt. Reisende entlang der Taklamakan-Wüste treffen vor allem auf Stadtruinen und Überreste von Höhlen. Eine Hauptattraktion aber bildet die Bevölkerung und der bis heute erhalten gebliebene Lebensstil. Viele Touristen kommen heute aus Japan, um jene Stätten zu besuchen, die die buddhistische Religion auf ihrem Weg nach Japan passierte. Eine Reise in das Taklamakan-Gebiet ist trotz einiger Erleichterungen wegen der klimatischen und geographischen Bedingungen auch heute immer noch sehr beschwerlich. Die letzte Lücke der Eisenbahnverbindung entlang der Seidenstraße wurde 1992 geschlossen, als die internationale Linie Almaty - Urumqi eröffnet wurde. Trotzdem gibt es entlang der Seidenstraße keine durchgehenden Züge oder zeitlich abgestimmten Umsteigeverbindungen Beijing - Teheran oder Beijing - Moskau.


Silifke - Seleukeia am Kalykadnos / Diokaisareia – Uzuncaburç

Silifke – Seleukeia am Kalykadnos




In ihren Reisebüchern heiß es, daß Seleukeia von Seleukos Nikator I.[1] ge- ründet wurde. Das geht auf den Geographen Strabo[2] zurück. Er berichtet, daß Seleukos die Eimwohner des benachberten Holmi (Taşuçu), das von Piraten zerstört wurde, hierher umsiedelte, und somit, eine neue Stadt gründete, die er schließlich nach sich selbst Seleukeia nannte. Heute wis- sen wir daß das nicht stimmt. Das Göksu-Delta war bereits in der Bronze-zeit besiedelt. Es handelt sich dabei um die hethitische Siedlung Ura, das in das 13. vorchristliche Jahrhundert datiert wird. Allerdings ist von die-ser ersten Stadt nichts mehr übrig geblieben. Wir wissen weiterhin, daß der Ort im Jahr 712 v. Chr. von dem assyrischen König Sargon II. erobert und befestigt wurde. Zu dieser Zeit hieß die Stadt Harrua am Rande von Que. Harrua wurde von den griechischen Kolonisten als Hyria bezeichnet. Seleukos hat warscheinlich dieses Hyria um 295. v. Chr. neu organisiert und umbenannt. 

Es gibt neun Stätte, die nach Seleukos benannt sind. Silifke ist die einzi-ge, die ihr städtisches Zentrum bewahren konnte. Alle anderen sind Rui-nen. Seleukos hat die Stadt warscheinlich als Stützpunkt gegen die Tau-rosstämme genutzt. Aber abgesehen davon lag der Ort auf der Straße von Ikonion nach Antiocheia sehr verkehrsgünstig. Das fruchtbare Umfeld und die Lage am Mittelmeer boten weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Während der hellenistischen Zeit kam die Stadt eine Zeit lang unter die Herrschaft der Ptolemäern, bis sie um 190 v. Chr. von Antiochos II. wie-der zurückerobert wurde.
Seleukeia kam im Jahr 72 endgültig unter römische Herrschaft. Mit dem Übergang an die Römer beginnt auch die Blütezeit der Stadt. Die römi-sche Stadt dehnte sich in der Ebene aus. Die meisten der heute aufrecht-stehenden Ruinen stammen aus der römischen Epoche. Kaiser Diokletian (245-313) machte Seleukeia zur Hauptstadt der neuen Provinz Isauria, die aus 33 Distrikten[3] bestand. In der Spätantike wurde der Druck der Tau-rusvölker wieder stärker und im 4. Jh. plünderten isaurische Banden die Stadt.
In byzantinischer Zeit stand Seleukeia im Rang einer Metropolis und wur-de im 7. Jh. als Bollwerk gegen die Araber ausgebaut. Die Burg entstand zu dieser Zeit. Zu Beginn des I. Kreuzzuges ging Seleukeia im Jahr 1098 an die Franken verloren, fiel aber 1204 nach der Niederlage Bohemunds bei Harran an die Byzantiner zurück, die die Burg (184 m) verstärkten.
Im Jahr 1210 stellte das Köngigreich Kleinarmeinien und die Johanniter von Rhodos dem byzantinischen Kaiser Leon II. insgesammt 400 Ritter zur Verfügung. Daraufhin erhilten sie als Lehen die Burg, die sie schließlich Ausbauten. Mit dem Niedergang des Kleinarmenischen Reiches fielen Burg und Stadt in der 2. Hälfte des 14. Jh. an die Karamanoğulları. 1471 wurde Seleukeia unter Ahmet Paşa in das Osmanische Reich einverleibt. 

Berühmt wurde Seleukeia im Abendland durch Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1190 lief der Name der Stadt im abendland von Mund zu Mund: Am 10. Juni ertrank der berrühmte deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa bei der Überquerung des Saleph, womit das Herr des 3. Kreuzzuges seinen Füh- rer verlor.

Die Steinbrücke


Die erste Brücke über den Fluß wurde in römischer Zeit unter dem kiliki-schen Statthalter L. Octavius zu Ehren des Kaisers Vespasian gebaut usw. in den Jahren 77/78 n. Chr. Diese erste Brücke wurde in den karamanisch- osmanischen Kriegen des 15. Jh. schwer beschädigt. 1875 hat Mehmet Ali Paşa sie abreißen und neu errichten lassen.

Tempel des Apollon Sarpedonios

Der Tempel wurde im 2. Jh. n. Chr. errichtet. Es handelt sich dabei um einen Peripteros mit 8x14 Säulen korintischer Ordnung. Das Bauwerk wur-de im 5. Jh. in eine Basilika umgewandelt. Zu sehen sind nur noch einige Basen sowie eine kannelierte Säule in situ.

Die Ulu Cami

50 m von der Brücke entfern am Fuß einer Klippe haben die Karamanie-den auf das Fundament eines Vorgängerbaus die Moschee gebaut. Wahr-scheinlich stand hier zunächst ein Tempel, der später in eine Kirche um- gebaut wurde.

Demircili – Imbriogon (ca. 350 m)

Imbriogon entstand Ende des 2. Jh. n. Chr. Es handelt sich hierbei um ei-nen Ort, der der aristokratischen Oberschicht von Seleukeia als letzte Ru- hestätte diente. Neben den Überresten eines kleinen römischen Bads und einiger andere unbedeutender Bauten sind mehrere wunderschöne Grab-tempel erhalten geblieben.  Lorbeeröl (Seife), Defne yağı.

Diokaisareia – Uzuncaburç (1184 m)
Diokaisareia war ursprünglich ein Kultzentrum, das zu der 4 km östlich gelegenen Stadt Olba gehörte. Olba seinerseits war ein hellenistisches Priesterfürstentum. Es handelte sich dabei um die Priesterdynastie der Teukriden, die im 3. und 2. Jh. v. Chr. über weite Teile Westkilikiens regierten. Sie hatten sich sogar im Bereich von Korykos und Elaioussa einen Zugang zum Meer verschafft. Mit kluger Diplomatie haben sie die Gunst der hellenistischen Herrschen genauso gut gewonne wie die der römischen Großmacht. Ihre Herrschaft wurde von Marcus Antonius als auch von Augustus bestätigt. Und unter Kaiser Tiberus (14-37 n. Chr.) wurde das Heiligtum des Zeus Olbios zur Polis erhoben und Diokaisareia genannt. In der Folgezeit entwickelte sich Diokaisareia dadurch zu einer von Olba unabhängigen Stadt. Eine geflasterte römische Straße verband beide Stäte. Unbekannt ist aber die territoriale Ausdehnung beider Stät-te und insbesondere ihre Abgrenzung gegeneinander.

In byzantinischer Zeit wurde der Ort Bischofssitz. Einer der Bischöfe der Stadt, ein gewisser Montanus, nahm am Konzil von Konstantinopel (381) teil. Die ersten Turkmenen siedelten den Ort im 11. Jh. an und nannten ihn Uzuncaburç, was auf deutsch “hoher Turm” bedeutet.

Die Säulenstraße

Im 1. Jh. n. Chr. hat man hier eine 10,4 m breite Säulenstraße gebaut. Sie führte vom Theater im Osten vorbei am Zeus-Tempel zum Tyche-Tempel im Westen. Kurz vor dem Tyche-Tempel kreuzte sie die zweite Säulenstraße der Stadt. Die Säulen der Hallen sind leider nicht mehr er-halten, aber ihre Basen sind noch zu erkennen.

Das Prunktor

Den Eingang zum Tempelareal hat man mit einem Prunktor gekennzeich-net. Die Toranlage war ursprünglich 15,3 m lang und 8 m breit. Die Kon-solen an den Säulen waren für Statuen bestimmt. Die Säulen haben eine Höhe von 6,75 m und einen Durchmesser von 1,05 m.  

Das Nymphaion

Das Nymphaion aus dem 2./3. Jh. und ist insgesamt 17 m lang und 11 m breit gewesen. Auf den rechteckigen Kalksteinblöcken rechts und links der Anlage steht noch jeweils eine Basis.

Der Hohe Turm

Dieser Turm wurde Ende 3./Anfang 2.Jh. v. Chr. von dem Priester Teuker, Sohn des Tartyaris errichtet. Anfangs stand er alleine, später wurde er in die Stadtmauer integriert.
Er hat einen rechteckigen Grundriß von 15,7x12,5 m und erreicht eine Höhe von 22.3 m. Das bauwerk ist fünfstöckig. Das Erdgeschoß war mit dem darüberliegenden über eine Steintreppe verbunden. Die oberen Stockwerke ihrerseits waren über Holzleitern zu erreichen. Die balkonar-tige Öffnung (6,5 m hoch) wurde dann als Zugang benutzt wenn man das eigentliche Eingangstor nich öffnen wollte. Der Turm wurde u.a. als zur Aufbewahrung des Tempelschatzes genutzt. 

Das Nordtor
Das Nordtor der Stadt wurde im 2. Jh. n. Chr. in die hellenistische Mauer eingefügt. Es ist nahzu unverzehrt erhalten. Insgesamt ist das Tor 31,4 m breit und erreicht eine Höhe von 12 m (1,5 m breit). Die Anlage war ür-sprünglich mit Ornamenten geschmückt und auf den Konsolen standen Statuen. Die auf dem mittleren Bogen angebrachte Inschrift bezieht sich auf die Wiederherstellung unter den Kaisern Arkadius (383-4089 und Ho-norius (393-423) und ermöglicht die Identifizierung ddes Ortes mit Diokaisareia.


Tyche-Tempel

Der Tempel stammt aus dem späten 1. Jh. n. Chr. Fünf der sechs mono-lithischen Granitsäulen sind noch erhalten. Sie sind jeweils 5,5 m hoch und haben einen Durchmesser von 65 cm. Der Tempel war ungewöhnli-cherweise ohne dach konstruiert. Die Cella lag 34 m hinter der Fassade und hatte einen Grundriß von 11,5x11,5 m.
Der Zeus-Tempel
Der Tempel wurde in hellenistischer Zeit unter Seleukos I. Nikator im Jahr 295 v. Chr. in korintischer Ordnung gebaut. Damit wäre dieses Bau-werk der älteste Tempel korintischer Ordnung in Kleinasien.

Es handelt sich hierbei um einen Peripteros mit 6x12 Säulen, von denen noch 30 stehen. Die Säulen sind 9,8 m hoch und haben einen Durchmesser von 1.55 m an der Basis. Der Tempel selbst mißt 39,7x21,2 m.

Im 5. Jh. wurde die Anlage in eine dreischiffige Basilika umgebaut. Auf der Ostseite entfernte man zwei Säulen und setzte an ihre Stelle eine Ap-sis mit zwei kleineren Nebenräumen. Auf der Südseite wurde mit einer Zwischenwand eine Narthex abgetrennt, den äußeren Säulenkranz schloß man durch die Ausmauerung der Säulenabstände.  


[1] 312-281 v. Chr.
[2] Strabo (um 63 v. Chr. bis ca. 24 n. Chr.), griechischer Geograph und Historiker, der in Amasya in Pontus (heute in der Türkei) geboren wurde. Er reiste im Rahmen einer Expe-dition, die von Aelius Gallus, dem römischen Präfekten von Ägypten, geleitet wurde. Ziel der Reise war das Gebiet um den Oberlauf des Nil. Später verbrachte Strabo viele Jahre in Rom. Man weiß wenig über sein Leben, aber nach seinen eigenen Aufzeichnungen ist er von Armenien im Osten bis nach Sardinien im Westen und vom Schwarzen Meer im Norden bis zu den Grenzen Äthiopiens im Süden gereist. Von seinem umfangreichen historischen Werk in 43 Bänden, das eine Ergänzung der Geschichte des griechischen Historikers Polybios war, sind nur einige Teile überliefert. Seine Geographie, eine detaillierte Beschreibung der im Altertum bekannten Welt in 17 Bänden, ist fast vollständig erhalten. Dieses Werk enthält die erste ausführliche Darstellung Britanniens und Germaniens.
[3] Kelenderis(Aydıncık), Claudiopolis(Mut), Diokaisereia(Uzunçaburç-Olba), Lamus(Limonlu)..






Göksu-Delta


An der Stelle, wo der Göksu aus dem Taurusgebirge aus-tritt, liegt Silifke. Und davor dehnt sich ein etwa 15.000 ha großes Schwemmland aus. Größtenteils ist es heute landwirtschaftlich genutzt. Ähnlich anderen türkischen Flußdelten ist das Göksu-Delta erst in historischer Zeit aufgeschüttet worden, ist also in geologischer Hinsicht äußerst jung.

In der rechten Deltahälfte liegen zwei Lagunen. Die La-gunen sind vom Meer durch Sanddünnen getrennt. Diese Dünnenlandschaft stellt ein sehr wichtiges Rastgebiet für viele Singvögel auf dem Zug dar. Gerade in den Früh-lingsmonaten nutzen viele Rotschwänze, Grasmücken, Laubsänger und Würger dieses Gebiet als ersten Rast-platz nach dem Zug über das Mittelmeer. Des weiteren ist der Schilfgürtel südwestlich der Lagunen der Brut-platz des Purpurhuhns.


Der Purpurhuhn


Der Purpurhuhn war in der Antike im Mittelmeerraum weit verbreitet. Im alten Griechenland wurde das zarte weiße Muskelfleisch hoch geschätzt. Die besten Purpurhühner kamen von den Balearen und die zweitbesten aus dem Königreich Kommagene. An beiden Plätzen ist das Purpurhuhn ausgestorben. Der letzte Brutplatz des Purpurhuhns in der Türkei ist das Göksu-Delta. Der Bestand, der weniger als 30 Paare beträgt, ist deswegen unter Schutz.


KARATEPE

                                                   Karatepe / Aslantas
Wie erreiche ich Karatepe:



Plan von der Stadt Karatepe:



Die Hethiter nannten die Çukurova und die im norden anschließende Gebirgslandschaft Kizzuwatna. Nach dem Untergang des Hethitischen Großreichs hat sich in diesem Gebiet ein späthethitische Königreich namens Kizzuwatna gebildet. Im 8. Jh. v. Chr.  herrschte über dieses späthethitische Reich ein König Namens Asitawanda. Dieser Asitawanda ließ sich im 8. Jh. v. Chr. über dem rechten Ufer des Pyramos (Ceyhan) auf einem beherrschenden Hügel eine Sommerresidenz bauen und nannte sie nach sich selbst Asitawanda. Was wir heute besichtigen werden ist also die Sommerresidenz eines späthethitischen Königs: Asitawanda!


Heute wird die Ruinestätte auch Karatepe genannt (schwarzer Hügel). Karatepe ist eigentlich der Name des sich hier befindenden Nationalparks.



Das Ruinenfeld von Asitawanda

Der Hügel, auf dem sich der Asitawanda seine Sommerresidenz errichten ließ, war spätestens seit dem 12. Jh. v. Chr. besiedelt. Asitawanda ließ diese alte Siedlung zu seiner Sommerresidenz umbauen und umgab sie mit einer 1 000 m langen Mauer (1). 

Ausgegraben sind vor allem die beiden Toranlagen im Südwesten und Nordosten, ferner die Teile des Gipfelpalastes. Die Königsstatue und die berühmte Bilingue in phönikischer und hieroglyphisch-hethitischer Schrift wurde dort gefunden. Diese Inschrift, die von den Taten des Asitawanda berichtet, ermöglichte die weitgehende Entzifferung der hethitischen Hieroglyphenschrift.

Wir werden zunächst steil hinauflaufen zu dem Südwesttor. Von dor aus werden wir vorbei am Gipfelpalast zum Nordosttor kommen. Von dieser Toranlage für ein schöner Weg hinunter hierher zum Ausgangspunkt.    



Karatepe wurde 1946 von H. Th. Bossert entdeckt (2).

Am 15. März 1947 stand Bossart auf dem Karatepe. Er war begleitet von Bahadır Alkim. Dr. Alkim war einer seiner Schüler, 1915 in İzmir geboren, ausgebildet an der Universität Istanbul und bereits erfahren in archäologischen Grabungen. Ihre gemeinsame Sondage dauerte vier Wochen. Sie hatten keine Hilfskräfte, sie hatten keine Geräte, sie hatten keine rechte Unterkunft. Unter katastrophalen Verhältnissen wohnten sie im Zelt, ernährten sich mit dem Käse und Yufka der Nomaden.

Vier Wochen lang haben sie gegraben, Tag für Tag. Und sie erkannten Wälle –also war hier eine Burg gewesen; sie entdeckten innerhalb der Burg Mauerreste –also hatte hier ein Tempel oder ein Palast gestanden. Durch Sondagen fanden sie schließlich wohlerhaltene Orthostate, Reliefs mit zahlreichen Menschen- und Tierfiguren, mehr als ein Meter hoch, in dunkelgraue Basaltplatten geschlagen, aufrecht stehend, “in situ”, das heißt genau so, wie sie vor Jahrtausenden aufgerichtet worden waren.

Und Bossert fand den Beginn einer langen phönizischen Inschrift (wie lange ahnte er noch nicht). Er sprach kein Wort darüber. Bossert suchte von Anfang an nach hethitischen Hieroglyphenschriften usw. mit der verwegenen Hoffnung, eine Bilingue zu entdecken. Und gerade das schien er am letzten Tag der Grabungen gefunden zu haben. Es war aber keine Zeit mehr, das Relief auszugraben. So kratzte er mit Hand und Spachtel an der oberen Kante eines Orthostaten und markierte den Weg für spätere Grabungen. Was er sah, genügte: hier waren in der Tat hethitische Hieroglyphen! Da das Phönizische lesbar war, schien der Traum aller Hethitologen, eine Bilingue zu entdecken, war geworden zu sein. Es ist eines der dramatischsten Ereignisse in der Entdeckungsgeschichte des Hethiter-Reiches, dass sich Bossert hier irrte –und dennoch recht behielt!


Nach nur 5 Monaten im September 1947 stand Bossert wieder auf dem Hügel. Diesmal war die Expedition vorbereitet. Sie war finanziert der Universität Istanbul, der Türkischen Geschichtsgesellschaft (TTK) und der Generaldirektion für Altertümer und Museen. Sie hatten nun die notwendige Geräte und immerhin so viel Geld, dass sie Arbeiter chartern konnte.

Bossert besaß Sinn für dramatische Effekte und liebte es, seine Mitarbeiter zu überraschen. So versammelte er sie am ersten Tag der Grabungen da, wo er beim letzten Besuch die lange phönizische Inschrift entdeckt hatte. Beiläufig erklärte er, diese Stelle dünke ihm die rechte für den ersten Spatenstich. Mit Wohlgefallen lauschte er den Bewunderungsrufen, als nach der Entfernung von wenigen Schaufeln Erde ein Orthostat zum Vorschein kam. Er ließ, sich seiner Sache sicher, ein paar Meter weiter graben. Ein weitere Orthostat kamen zum Vorschein. Als die Arbeiter ihn darauf aufmerksam machten, dass dieser neue reliefierter Stein Hieroglyphen zeigte, erkannte er, dass er sich geirrt hatte! Was er damals bei flüchtigem Blick am späten Nachmittag für Hieroglyhen gehalten hatte, das enthüllte sich jetzt unter hellem Sonnenlicht als ein schriftähnliches Gebilde.

Seine Enttäuschung war groß. Natürlich –auf jeden Fall lohnte sich hier auszugraben, keine Frage. Aber er konnte die Freude seiner Mitarbeiter nicht teilen. Er starrte auf das graue Stein, der nun bei jedem Spatenstich deutlicher zutage trat. Er hatte gehofft, eine längere zusammenhängende Hieroglyphen-Inschrift zu finden. Der Gedanke, dass diese Schrift zusammen mit den semitischen Zeichen die ersehnte Bilingue sein würde, hatte ihn den ganzen Sommer nicht losgelassen. In solchen Momenten wird Wissenschaft zur Charakterfrage. Bossert ließ weiter graben. Er ließ da und dort sondieren, und es klingt zwar märchenhaft, aber einen Meter neben den pseudohethitischen Hieroglyphen fand sich die wirkliche Hieroglyphenschrift.

Die Kampagne vom Herbst 1947 wurde die erfolgreichste. Auch später ist noch viel gefunden worden –vor allem die Umgebung wurde genau erforscht, wobei ein hethitisches, später römisches Vorwerk auf dem Domuztepe gefunden wurde. Doch übertrafen die Ergebnisse der Herbstgrabung alle späteren bei weitem.

Nach der Ausgrabung von 1947 wurde unverzüglich die Übersetzung der phönizischen Texte vorgenommen. Da es sich um ein Idiom  (3)handelte, das sehr alt war, lag hier eine Aufgabe für Spezialisten vor. Bossert, der sich sofort den Hieroglyphen widmen wollte, sandte die ersten phönizischen Texte an mehrere bedeutende Semitisten (4). Als erstes sandte er eine Abschrift der Statuen-Inschrift, deren Sockel, der sogenannte “Löwenstein”, ja den Anlass zur Entdeckung des Karatepe gegeben hatte. Der Stein war inzwischen recht berühmt geworden.

Immerhin erfahren wir, dass der Verfasser der Inschrift ein König war, dessen Name sich in der vokallosen semitischen Schrift “ztwd” schreibt, was Bossert dann später auf Grund der vokalhaltigen Hieroglyphen zu “Asitawandas” ergänzen konnte. Die Tatsache, dass hier reines Altphönizisch ohne aramäische Beimischungen geschrieben ist, erlaubt uns, den König zu datieren: er lebte gewiss im 8. Jahrhundert v. Chr. und, wie sich aus anderen Befunden noch schließen lässt, wahrscheinlich gegen 730 v. Chr. Um diese Zeit etwa, vielleicht noch zu seinen Lebezeiten, wurde der Karatepe von Feinden erobert und zerstört.

Asitawandas rühmt sich mit einer gewissen hethitischen Bescheidenheit:

“Und ich baute diese Stadt und gab ihr den Namen Asitawanda ... Und ich baute starke Befestigungen an allen Enden, an den Grenzen und an den Orten, an denen schlechte Menschen Anführer von Banden waren”.

Er nennt sich : “Herrscher der Donuna”, was, wie wir wissen, das Volk der Adana-Ebene war. Weiterhin berichtet er, dass er seine Westgrenze dadurch befriedete, dass er alle aufsässigen Bewohner an die Ostgrenze deportierte, legt aber unter wiederholter Betonung äußersten Wert auf die Feststellung, dass er und sein Volk stets in Glück und unentwegtem Wohlstand lebt! Und zumindest die Neigung zu solchem Dasein glaubt man dem rundlichen Herren, wenn man ihn bei seiner Tafelei betrachtet.
      

Südtor
   
Plan von der Südtor:

Wir sehen König Asitawanda beim Mahl. In seiner linken Hand hält er ein Stück Fleisch und mit der Rechten greift er nach Brot. Unter dem Tisch hockt ein kleines Äffchen, Diener wedeln die lästigen Fliegen beiseite. Im unteren Teil der Hauptszene werden ein Ochse und ein Lamm herangeführt. Auf der links anschließenden Reliefplatte bringen Köche und Diener Früchte, einen Hasenbraten und Getränke herbei, darunter spielen Musikanten zum Mahl auf.

Im Kontrast zum strengen Charakter der Orthostaten Reliefs anderer späthethitischer Fürstensitze wie Arslantepe (Malatya) und Kargamış, die im Traditionellen Stil (5) die Kunst der hethitischen Großreichzeit (6)  fortgeführt haben, sind bei den späten Reliefs vom Karatepe starke assyrische, aramäische und phönikische Einflüsse spürbar. Motive von Affen und Palmen sowie die Hinzuziehung der phönikischen Schrift machen das augenscheinlich. Auch haben die Künstler (7) die Reliefs ganz bewusst nicht für das strenge höfische Zeremoniell eines repräsentativen Palastes, sondern für die Leichtlebigkeit einer Sommerresidenz geschaffen; wie anders wäre der private und zugleich humoristische Charakter vieler Bilder zu deuten.



Nordtor
 Plan von der Nordtor:

Das Nordosttor war ursprünglich mit vier Löwen und zwei Sphingen geschmückt. Über umlaufenden hieroglyphischen Inschriften erkennt man auf den Einzelbildern der westlichen Orthostatenreihe einen Kalbträger, einen Vogelmenschen unter der geflügelten Sonnenscheibe, eine stillende Mutter, eine Bärenjagd, einen Tanz mit zwei Bären und darüber einen auf dem Rücken liegenden Hasen zwischen zwei Raubvögeln, eine weitere Bärenjagd, einen Dämon und andere Motive. Diese weitgehend burlesken (8) Bilder strahlen eine in der späthethitischen Kunst einzigartige Heiterkeit aus und sind in ihrer naiven (9) Darstellungsweise von großer Ausdruckskraft. 




 1.aus mächtigen Steinquadern errichtet.
 2. Ersten Ausgrabungen wurden 1947-1950 begonnen. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die Erfassung der Befestigungsmauern (welche ein Gebiet von etwa 195 x 375 m umschließen), auf die beiden Tore und die Residenz des Königs Azatiwata. Seit 1952 steht die Unternehmung Karatepe Aslantas unter der Leitung von Halet Çambel, in den Jahren 1952-1957 wurden (in Zusammenarbeit mit dem Instituto Centrale del Restauro) Restaurierungen der beiden Tore sowie unter der Leitung von Bahadir Alkim Ausgrabungen in einigen Bereichen der Befestigungsmauern sowie der Bebauung innerhalb der Mauern vorgenommen.
1997 konnte die Aufarbeitung der Architektur des Karatepe Aslantas in Zusammenarbeit mit Halet Çambel und dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Istanbul unter der Leitung von Martina Sicker Akman wieder aufgenommen werden.
3.feste Redewendung, eigentümliche Sprache.
4. an Johannes Friedrich nach Berlin, an Dupont-Sommer nach Paris, an Father
     O’Callaghan nach Rom und auch an R.D. Barnett nach London.
5.1050-850 v. Chr.
6. 1500-1200 v. Chr.
7.  mit Einverständnis ihres königlichen Auftraggebers.
8. spaßhaftes Musikstück
9.  das gilt besonders für das Relief der stillenden Mutter.



Ausruf des Astivata

Ich bin wirklich Astivatas
Der Mann meiner Sonne, der Diener des Sturmgottes
Der Herrscher von Adanava, groß gepriesen von Avariku
Der Sturmgott hat mich zur Mutter und zum Vater von Adanava gemacht und ich habe Adanava weiterentwickelt
Und ich habe das Adanava-Land erweitert, den Westen und auch den Osten des Tages
Und zu meinen Tagen hat Adanava Wohlfahrt Genugtuung, Bequemlichkeit gekostet, die Depots von Pahara habe ich gefüllt.
Zu Pferden habe ich Pferde hinzugefügt, zu Schildern Schilde, zu Heeren Heere, alles für den Sturmgott und die Götter
Die Prahler haben ihr Prahlen verlassen
Ich habe mir Schlösser bauen lassen, mein Stamm hat Behaglichkeit gefunden und ich habe den Vaterthron bestiegen, ich habe Friede mit allen Königen geschlossen.
Und die Könige haben mich als ihre Ahnen angesehen, wegen meiner Gerechtigkeit, Weisheit und Gutherzigkeit.
An all meinem Grenzen, habe ich starke Festungen bauen Lassen, an solchen Grenzen wo es schlechte Menschen, Bandenführer gibt;
Ich habe alle,die sich dem Hause Mopsos nicht unterworfen haben zertreten.
Ich habe alle Festungen in dieser Gegend vernichtet, habe Festungen errichtet damit Menschen in Adanavali in Ruhe und Frieden leben können.
Ich habe den Westen, starke Länder überwältigt, die die Könige, bevor mir nicht überwältigen konnten.
Ich Asativas, habe sie alle überwältigt, mir zu Dienern gemacht und sie den Osten meines Landes angesiedelt.
Und heute habe ich die Grenzen Adanavas den Westen, sowie auch den Osten erweitert.
Wo einst Männer sich trauten zu gehen, sich fürchteten auf einsamen Wegen zu gehen, laufen heute Frauen spinnwebend umher.
Und in meiner Zeit gab es Reichtum, Genugtuung, Ruhe und Frieden.
Und Adanava und das Land Adanava lebte in Zufriedenheit.
Und ich habe diese Burg bauen lassen und sie Asativadaya genannt,
Der Sturmgott und die Götter haben nicht dazu gedrängt, damit diese Burg die Adana-Ebene und das Haus Mopsos beschützt.
In meiner Zeit gab in den Grenzen der Adana-Ebene Reichtum und Zufriedenheit,
In meiner Zeit hat es keinen aus Adanava gegeben der dem Schwert unterlag.
Und ich habe diese Burg bauen lassen und habe sie Asativadaya genannt.
Ich habe dort den Sturmgott untergebracht und ihm Opfer dargebracht einmal im Jahr einem Ochsen, in der Pflüggezeit einem Schaaf und im Herbst einen Schaaf.
Ich habe den Sturmgott verehrt, er hat mir Lange Tage, zahlreiche Jahre und eine Kraft weit über dem Masse aller Könige.
Dank dem Sturmgott und den Göttern, wurden die Menschen die hier ansiedelten Besitzer von Ochsen, Herden, Reichtum und Getränken, wurden reich an Nachkommen.
Sie haben Asativatas und dem Hause Mopsos gedient.
Und wenn jemals ein König unter Königen, ein Prinz unter Prinzen, ein Angesehener unter Angesehenen den Namen des Asativatasanas von diesen Tore entfernt und einen anderen Namen einschreibt, darüber hinaus ein Auge auf diese Stadt hat und diesen Tor, den Asativatas erbauen liess vernichtet und ein anderes Tor baut und ihm seinen Namen gibt, wer wegen Habsucht, Hass oder Verachtung diesem Tor vernichte, dann werden der Gott es Himmels, der Erde und Sonne des Universums und Nachkommen von allen Göttern, wird dieser König, dieser Prinz oder dieser Angesehener von der Erde gewicht.
Nur der Name des Asativatas ist unsterblich, bis zur Ewigkeit,

genau wie die Sonne und der Mond.

Der Himmel und Die Hölle / Cennet Cehennem

Cennet Cehennem / Der Himmel  und die Hölle

Das Taurusgebirge ist ein riesiges Karstgebiet (Karst: Bezeichnung für alle durch Lösungsverwitterung in Kalk- und Gipsgesteinen entstandene Formen. Das Gestein wird bei diesem Prozess durch das im Wasser enthaltene Kohlendioxid gelöst und abtransportiert). Östlich von Silifke besteht das Gebirge bis zur Küste herunter aus ungefalteten Miozän-kalken (Miozän: 23 bis 5 Millionen Jahre vor heute). Das weiche Kalk-Gestein ist im Wasser leicht löslich und daher konnte sich ein reicher Formenschatz des Karstes bilden.

Durch unterirdische Ausspülung sind große Hohlräume entstanden, die im Laufe der Zeit in sich zusammenbrachen. So entstanden Einsturzdolinen riesigen Ausmaßes, auf Türkisch “obruk” genannt (Doline: Bezeichnung für trichter- und kesselförmige Hohlformen in Karstgebieten. Dolinen entstehen durch die chemische Verwitterung im kalkhaltigen Untergrund).



                             Cennet – Der Himmel

Der Himmel, die größere der beiden Dolinen, hat eine ovale Form (200 x 90 x 70 m). Der Boden der Doline ist mit Humus bedeckt und von Sträuchern und Kräutern bewachsen. In einer Ecke liegt der Ausgang einer abwärts ins Erdinnere gerichteten Karströhre. An ihrem Ende befindet sich ein Fluss, der letztlich die Ursache für das Entstehen der Doline ist. Der unterirdische Fluss (den man nicht sehen, aber manchmal hören kann) konnte das Kalkgestein auslösen und die gelösten Teile abtransportieren. Der unterirdische Fluss ergießt sich bei Narlıkuyu auf dem Meeresboden ins Meer. Dies gab in der Spätantike (4. Jh. N. Chr.) Anstoß zur Errichtung eines Badehauses. Der Statthalter Poimenion hatte die Quelle entdeckt und stiftete die noch heute erhaltenen Mosaike der “Drei Grazien”.


                    Kapelle der Jungfrau Maria

 Am Eingang  zur eigentlichen Grotte, 75 m tief unter dem Ausgangs-Punkt, befindet sich eine kleine Kapelle. Eine Inschrift über dem Eingang weist sie als Marienkapelle aus. Die Inschrift: “So wie Du (hl. Maria) voller Freude das Gotteswort empfangen hast, unbegrenzt, so lebe ich in dem kleinen Haus, das dein treuer Diener Paulus gebaut hat, indem er Christus, Deinem Sohn, nacheifert”.

Wahrscheinlich wurde die Kirche im 5./6. Jh. N. Chr. von einem Bürger namens Paulus errichtet. Wie lange sie in Gebrauch war ist ungewiss. Im 19. Jh. Wurde sie eine Weile als Moschee benutzt. Im Innenraum, der nicht überdeckt ist, ist noch Reste von Fresken erhält, die Jesus Christus und zu beiden Seiten Heiligenbilder zeigen.

Von der Marinenkapelle erreicht man über 150 glitschige Stufen, das Ende der Höhle in 260m Tiefe. Je tiefer man kommt, desto dunkler und enger wird die Höhle.


Cehennem – Die Hölle

 75 m nördlich der Himmelskarstdoline liegt zwischen Felsen die Hölle. Ihr Eingang ist 58m groß und sie ist 128m tief. In die Hölle kann man nicht absteigen. Es gibt lediglich eine Terrasse, von der man hinunterschaut.


Zeus-Tempel

Der Tempel wurde im 2./3. Jh. V. Chr. In dorischer Ordnung errichtet. Gegen Ende des 5. Jh. N. Chr. wurde die Anlage in eine dreischiffige Basilika mit Narthex umgewandelt.