15 Kasım 2011 Salı

Silifke - Seleukeia am Kalykadnos / Diokaisareia – Uzuncaburç

Silifke – Seleukeia am Kalykadnos




In ihren Reisebüchern heiß es, daß Seleukeia von Seleukos Nikator I.[1] ge- ründet wurde. Das geht auf den Geographen Strabo[2] zurück. Er berichtet, daß Seleukos die Eimwohner des benachberten Holmi (Taşuçu), das von Piraten zerstört wurde, hierher umsiedelte, und somit, eine neue Stadt gründete, die er schließlich nach sich selbst Seleukeia nannte. Heute wis- sen wir daß das nicht stimmt. Das Göksu-Delta war bereits in der Bronze-zeit besiedelt. Es handelt sich dabei um die hethitische Siedlung Ura, das in das 13. vorchristliche Jahrhundert datiert wird. Allerdings ist von die-ser ersten Stadt nichts mehr übrig geblieben. Wir wissen weiterhin, daß der Ort im Jahr 712 v. Chr. von dem assyrischen König Sargon II. erobert und befestigt wurde. Zu dieser Zeit hieß die Stadt Harrua am Rande von Que. Harrua wurde von den griechischen Kolonisten als Hyria bezeichnet. Seleukos hat warscheinlich dieses Hyria um 295. v. Chr. neu organisiert und umbenannt. 

Es gibt neun Stätte, die nach Seleukos benannt sind. Silifke ist die einzi-ge, die ihr städtisches Zentrum bewahren konnte. Alle anderen sind Rui-nen. Seleukos hat die Stadt warscheinlich als Stützpunkt gegen die Tau-rosstämme genutzt. Aber abgesehen davon lag der Ort auf der Straße von Ikonion nach Antiocheia sehr verkehrsgünstig. Das fruchtbare Umfeld und die Lage am Mittelmeer boten weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Während der hellenistischen Zeit kam die Stadt eine Zeit lang unter die Herrschaft der Ptolemäern, bis sie um 190 v. Chr. von Antiochos II. wie-der zurückerobert wurde.
Seleukeia kam im Jahr 72 endgültig unter römische Herrschaft. Mit dem Übergang an die Römer beginnt auch die Blütezeit der Stadt. Die römi-sche Stadt dehnte sich in der Ebene aus. Die meisten der heute aufrecht-stehenden Ruinen stammen aus der römischen Epoche. Kaiser Diokletian (245-313) machte Seleukeia zur Hauptstadt der neuen Provinz Isauria, die aus 33 Distrikten[3] bestand. In der Spätantike wurde der Druck der Tau-rusvölker wieder stärker und im 4. Jh. plünderten isaurische Banden die Stadt.
In byzantinischer Zeit stand Seleukeia im Rang einer Metropolis und wur-de im 7. Jh. als Bollwerk gegen die Araber ausgebaut. Die Burg entstand zu dieser Zeit. Zu Beginn des I. Kreuzzuges ging Seleukeia im Jahr 1098 an die Franken verloren, fiel aber 1204 nach der Niederlage Bohemunds bei Harran an die Byzantiner zurück, die die Burg (184 m) verstärkten.
Im Jahr 1210 stellte das Köngigreich Kleinarmeinien und die Johanniter von Rhodos dem byzantinischen Kaiser Leon II. insgesammt 400 Ritter zur Verfügung. Daraufhin erhilten sie als Lehen die Burg, die sie schließlich Ausbauten. Mit dem Niedergang des Kleinarmenischen Reiches fielen Burg und Stadt in der 2. Hälfte des 14. Jh. an die Karamanoğulları. 1471 wurde Seleukeia unter Ahmet Paşa in das Osmanische Reich einverleibt. 

Berühmt wurde Seleukeia im Abendland durch Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1190 lief der Name der Stadt im abendland von Mund zu Mund: Am 10. Juni ertrank der berrühmte deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa bei der Überquerung des Saleph, womit das Herr des 3. Kreuzzuges seinen Füh- rer verlor.

Die Steinbrücke


Die erste Brücke über den Fluß wurde in römischer Zeit unter dem kiliki-schen Statthalter L. Octavius zu Ehren des Kaisers Vespasian gebaut usw. in den Jahren 77/78 n. Chr. Diese erste Brücke wurde in den karamanisch- osmanischen Kriegen des 15. Jh. schwer beschädigt. 1875 hat Mehmet Ali Paşa sie abreißen und neu errichten lassen.

Tempel des Apollon Sarpedonios

Der Tempel wurde im 2. Jh. n. Chr. errichtet. Es handelt sich dabei um einen Peripteros mit 8x14 Säulen korintischer Ordnung. Das Bauwerk wur-de im 5. Jh. in eine Basilika umgewandelt. Zu sehen sind nur noch einige Basen sowie eine kannelierte Säule in situ.

Die Ulu Cami

50 m von der Brücke entfern am Fuß einer Klippe haben die Karamanie-den auf das Fundament eines Vorgängerbaus die Moschee gebaut. Wahr-scheinlich stand hier zunächst ein Tempel, der später in eine Kirche um- gebaut wurde.

Demircili – Imbriogon (ca. 350 m)

Imbriogon entstand Ende des 2. Jh. n. Chr. Es handelt sich hierbei um ei-nen Ort, der der aristokratischen Oberschicht von Seleukeia als letzte Ru- hestätte diente. Neben den Überresten eines kleinen römischen Bads und einiger andere unbedeutender Bauten sind mehrere wunderschöne Grab-tempel erhalten geblieben.  Lorbeeröl (Seife), Defne yağı.

Diokaisareia – Uzuncaburç (1184 m)
Diokaisareia war ursprünglich ein Kultzentrum, das zu der 4 km östlich gelegenen Stadt Olba gehörte. Olba seinerseits war ein hellenistisches Priesterfürstentum. Es handelte sich dabei um die Priesterdynastie der Teukriden, die im 3. und 2. Jh. v. Chr. über weite Teile Westkilikiens regierten. Sie hatten sich sogar im Bereich von Korykos und Elaioussa einen Zugang zum Meer verschafft. Mit kluger Diplomatie haben sie die Gunst der hellenistischen Herrschen genauso gut gewonne wie die der römischen Großmacht. Ihre Herrschaft wurde von Marcus Antonius als auch von Augustus bestätigt. Und unter Kaiser Tiberus (14-37 n. Chr.) wurde das Heiligtum des Zeus Olbios zur Polis erhoben und Diokaisareia genannt. In der Folgezeit entwickelte sich Diokaisareia dadurch zu einer von Olba unabhängigen Stadt. Eine geflasterte römische Straße verband beide Stäte. Unbekannt ist aber die territoriale Ausdehnung beider Stät-te und insbesondere ihre Abgrenzung gegeneinander.

In byzantinischer Zeit wurde der Ort Bischofssitz. Einer der Bischöfe der Stadt, ein gewisser Montanus, nahm am Konzil von Konstantinopel (381) teil. Die ersten Turkmenen siedelten den Ort im 11. Jh. an und nannten ihn Uzuncaburç, was auf deutsch “hoher Turm” bedeutet.

Die Säulenstraße

Im 1. Jh. n. Chr. hat man hier eine 10,4 m breite Säulenstraße gebaut. Sie führte vom Theater im Osten vorbei am Zeus-Tempel zum Tyche-Tempel im Westen. Kurz vor dem Tyche-Tempel kreuzte sie die zweite Säulenstraße der Stadt. Die Säulen der Hallen sind leider nicht mehr er-halten, aber ihre Basen sind noch zu erkennen.

Das Prunktor

Den Eingang zum Tempelareal hat man mit einem Prunktor gekennzeich-net. Die Toranlage war ursprünglich 15,3 m lang und 8 m breit. Die Kon-solen an den Säulen waren für Statuen bestimmt. Die Säulen haben eine Höhe von 6,75 m und einen Durchmesser von 1,05 m.  

Das Nymphaion

Das Nymphaion aus dem 2./3. Jh. und ist insgesamt 17 m lang und 11 m breit gewesen. Auf den rechteckigen Kalksteinblöcken rechts und links der Anlage steht noch jeweils eine Basis.

Der Hohe Turm

Dieser Turm wurde Ende 3./Anfang 2.Jh. v. Chr. von dem Priester Teuker, Sohn des Tartyaris errichtet. Anfangs stand er alleine, später wurde er in die Stadtmauer integriert.
Er hat einen rechteckigen Grundriß von 15,7x12,5 m und erreicht eine Höhe von 22.3 m. Das bauwerk ist fünfstöckig. Das Erdgeschoß war mit dem darüberliegenden über eine Steintreppe verbunden. Die oberen Stockwerke ihrerseits waren über Holzleitern zu erreichen. Die balkonar-tige Öffnung (6,5 m hoch) wurde dann als Zugang benutzt wenn man das eigentliche Eingangstor nich öffnen wollte. Der Turm wurde u.a. als zur Aufbewahrung des Tempelschatzes genutzt. 

Das Nordtor
Das Nordtor der Stadt wurde im 2. Jh. n. Chr. in die hellenistische Mauer eingefügt. Es ist nahzu unverzehrt erhalten. Insgesamt ist das Tor 31,4 m breit und erreicht eine Höhe von 12 m (1,5 m breit). Die Anlage war ür-sprünglich mit Ornamenten geschmückt und auf den Konsolen standen Statuen. Die auf dem mittleren Bogen angebrachte Inschrift bezieht sich auf die Wiederherstellung unter den Kaisern Arkadius (383-4089 und Ho-norius (393-423) und ermöglicht die Identifizierung ddes Ortes mit Diokaisareia.


Tyche-Tempel

Der Tempel stammt aus dem späten 1. Jh. n. Chr. Fünf der sechs mono-lithischen Granitsäulen sind noch erhalten. Sie sind jeweils 5,5 m hoch und haben einen Durchmesser von 65 cm. Der Tempel war ungewöhnli-cherweise ohne dach konstruiert. Die Cella lag 34 m hinter der Fassade und hatte einen Grundriß von 11,5x11,5 m.
Der Zeus-Tempel
Der Tempel wurde in hellenistischer Zeit unter Seleukos I. Nikator im Jahr 295 v. Chr. in korintischer Ordnung gebaut. Damit wäre dieses Bau-werk der älteste Tempel korintischer Ordnung in Kleinasien.

Es handelt sich hierbei um einen Peripteros mit 6x12 Säulen, von denen noch 30 stehen. Die Säulen sind 9,8 m hoch und haben einen Durchmesser von 1.55 m an der Basis. Der Tempel selbst mißt 39,7x21,2 m.

Im 5. Jh. wurde die Anlage in eine dreischiffige Basilika umgebaut. Auf der Ostseite entfernte man zwei Säulen und setzte an ihre Stelle eine Ap-sis mit zwei kleineren Nebenräumen. Auf der Südseite wurde mit einer Zwischenwand eine Narthex abgetrennt, den äußeren Säulenkranz schloß man durch die Ausmauerung der Säulenabstände.  


[1] 312-281 v. Chr.
[2] Strabo (um 63 v. Chr. bis ca. 24 n. Chr.), griechischer Geograph und Historiker, der in Amasya in Pontus (heute in der Türkei) geboren wurde. Er reiste im Rahmen einer Expe-dition, die von Aelius Gallus, dem römischen Präfekten von Ägypten, geleitet wurde. Ziel der Reise war das Gebiet um den Oberlauf des Nil. Später verbrachte Strabo viele Jahre in Rom. Man weiß wenig über sein Leben, aber nach seinen eigenen Aufzeichnungen ist er von Armenien im Osten bis nach Sardinien im Westen und vom Schwarzen Meer im Norden bis zu den Grenzen Äthiopiens im Süden gereist. Von seinem umfangreichen historischen Werk in 43 Bänden, das eine Ergänzung der Geschichte des griechischen Historikers Polybios war, sind nur einige Teile überliefert. Seine Geographie, eine detaillierte Beschreibung der im Altertum bekannten Welt in 17 Bänden, ist fast vollständig erhalten. Dieses Werk enthält die erste ausführliche Darstellung Britanniens und Germaniens.
[3] Kelenderis(Aydıncık), Claudiopolis(Mut), Diokaisereia(Uzunçaburç-Olba), Lamus(Limonlu)..






Göksu-Delta


An der Stelle, wo der Göksu aus dem Taurusgebirge aus-tritt, liegt Silifke. Und davor dehnt sich ein etwa 15.000 ha großes Schwemmland aus. Größtenteils ist es heute landwirtschaftlich genutzt. Ähnlich anderen türkischen Flußdelten ist das Göksu-Delta erst in historischer Zeit aufgeschüttet worden, ist also in geologischer Hinsicht äußerst jung.

In der rechten Deltahälfte liegen zwei Lagunen. Die La-gunen sind vom Meer durch Sanddünnen getrennt. Diese Dünnenlandschaft stellt ein sehr wichtiges Rastgebiet für viele Singvögel auf dem Zug dar. Gerade in den Früh-lingsmonaten nutzen viele Rotschwänze, Grasmücken, Laubsänger und Würger dieses Gebiet als ersten Rast-platz nach dem Zug über das Mittelmeer. Des weiteren ist der Schilfgürtel südwestlich der Lagunen der Brut-platz des Purpurhuhns.


Der Purpurhuhn


Der Purpurhuhn war in der Antike im Mittelmeerraum weit verbreitet. Im alten Griechenland wurde das zarte weiße Muskelfleisch hoch geschätzt. Die besten Purpurhühner kamen von den Balearen und die zweitbesten aus dem Königreich Kommagene. An beiden Plätzen ist das Purpurhuhn ausgestorben. Der letzte Brutplatz des Purpurhuhns in der Türkei ist das Göksu-Delta. Der Bestand, der weniger als 30 Paare beträgt, ist deswegen unter Schutz.


KARATEPE

                                                   Karatepe / Aslantas
Wie erreiche ich Karatepe:



Plan von der Stadt Karatepe:



Die Hethiter nannten die Çukurova und die im norden anschließende Gebirgslandschaft Kizzuwatna. Nach dem Untergang des Hethitischen Großreichs hat sich in diesem Gebiet ein späthethitische Königreich namens Kizzuwatna gebildet. Im 8. Jh. v. Chr.  herrschte über dieses späthethitische Reich ein König Namens Asitawanda. Dieser Asitawanda ließ sich im 8. Jh. v. Chr. über dem rechten Ufer des Pyramos (Ceyhan) auf einem beherrschenden Hügel eine Sommerresidenz bauen und nannte sie nach sich selbst Asitawanda. Was wir heute besichtigen werden ist also die Sommerresidenz eines späthethitischen Königs: Asitawanda!


Heute wird die Ruinestätte auch Karatepe genannt (schwarzer Hügel). Karatepe ist eigentlich der Name des sich hier befindenden Nationalparks.



Das Ruinenfeld von Asitawanda

Der Hügel, auf dem sich der Asitawanda seine Sommerresidenz errichten ließ, war spätestens seit dem 12. Jh. v. Chr. besiedelt. Asitawanda ließ diese alte Siedlung zu seiner Sommerresidenz umbauen und umgab sie mit einer 1 000 m langen Mauer (1). 

Ausgegraben sind vor allem die beiden Toranlagen im Südwesten und Nordosten, ferner die Teile des Gipfelpalastes. Die Königsstatue und die berühmte Bilingue in phönikischer und hieroglyphisch-hethitischer Schrift wurde dort gefunden. Diese Inschrift, die von den Taten des Asitawanda berichtet, ermöglichte die weitgehende Entzifferung der hethitischen Hieroglyphenschrift.

Wir werden zunächst steil hinauflaufen zu dem Südwesttor. Von dor aus werden wir vorbei am Gipfelpalast zum Nordosttor kommen. Von dieser Toranlage für ein schöner Weg hinunter hierher zum Ausgangspunkt.    



Karatepe wurde 1946 von H. Th. Bossert entdeckt (2).

Am 15. März 1947 stand Bossart auf dem Karatepe. Er war begleitet von Bahadır Alkim. Dr. Alkim war einer seiner Schüler, 1915 in İzmir geboren, ausgebildet an der Universität Istanbul und bereits erfahren in archäologischen Grabungen. Ihre gemeinsame Sondage dauerte vier Wochen. Sie hatten keine Hilfskräfte, sie hatten keine Geräte, sie hatten keine rechte Unterkunft. Unter katastrophalen Verhältnissen wohnten sie im Zelt, ernährten sich mit dem Käse und Yufka der Nomaden.

Vier Wochen lang haben sie gegraben, Tag für Tag. Und sie erkannten Wälle –also war hier eine Burg gewesen; sie entdeckten innerhalb der Burg Mauerreste –also hatte hier ein Tempel oder ein Palast gestanden. Durch Sondagen fanden sie schließlich wohlerhaltene Orthostate, Reliefs mit zahlreichen Menschen- und Tierfiguren, mehr als ein Meter hoch, in dunkelgraue Basaltplatten geschlagen, aufrecht stehend, “in situ”, das heißt genau so, wie sie vor Jahrtausenden aufgerichtet worden waren.

Und Bossert fand den Beginn einer langen phönizischen Inschrift (wie lange ahnte er noch nicht). Er sprach kein Wort darüber. Bossert suchte von Anfang an nach hethitischen Hieroglyphenschriften usw. mit der verwegenen Hoffnung, eine Bilingue zu entdecken. Und gerade das schien er am letzten Tag der Grabungen gefunden zu haben. Es war aber keine Zeit mehr, das Relief auszugraben. So kratzte er mit Hand und Spachtel an der oberen Kante eines Orthostaten und markierte den Weg für spätere Grabungen. Was er sah, genügte: hier waren in der Tat hethitische Hieroglyphen! Da das Phönizische lesbar war, schien der Traum aller Hethitologen, eine Bilingue zu entdecken, war geworden zu sein. Es ist eines der dramatischsten Ereignisse in der Entdeckungsgeschichte des Hethiter-Reiches, dass sich Bossert hier irrte –und dennoch recht behielt!


Nach nur 5 Monaten im September 1947 stand Bossert wieder auf dem Hügel. Diesmal war die Expedition vorbereitet. Sie war finanziert der Universität Istanbul, der Türkischen Geschichtsgesellschaft (TTK) und der Generaldirektion für Altertümer und Museen. Sie hatten nun die notwendige Geräte und immerhin so viel Geld, dass sie Arbeiter chartern konnte.

Bossert besaß Sinn für dramatische Effekte und liebte es, seine Mitarbeiter zu überraschen. So versammelte er sie am ersten Tag der Grabungen da, wo er beim letzten Besuch die lange phönizische Inschrift entdeckt hatte. Beiläufig erklärte er, diese Stelle dünke ihm die rechte für den ersten Spatenstich. Mit Wohlgefallen lauschte er den Bewunderungsrufen, als nach der Entfernung von wenigen Schaufeln Erde ein Orthostat zum Vorschein kam. Er ließ, sich seiner Sache sicher, ein paar Meter weiter graben. Ein weitere Orthostat kamen zum Vorschein. Als die Arbeiter ihn darauf aufmerksam machten, dass dieser neue reliefierter Stein Hieroglyphen zeigte, erkannte er, dass er sich geirrt hatte! Was er damals bei flüchtigem Blick am späten Nachmittag für Hieroglyhen gehalten hatte, das enthüllte sich jetzt unter hellem Sonnenlicht als ein schriftähnliches Gebilde.

Seine Enttäuschung war groß. Natürlich –auf jeden Fall lohnte sich hier auszugraben, keine Frage. Aber er konnte die Freude seiner Mitarbeiter nicht teilen. Er starrte auf das graue Stein, der nun bei jedem Spatenstich deutlicher zutage trat. Er hatte gehofft, eine längere zusammenhängende Hieroglyphen-Inschrift zu finden. Der Gedanke, dass diese Schrift zusammen mit den semitischen Zeichen die ersehnte Bilingue sein würde, hatte ihn den ganzen Sommer nicht losgelassen. In solchen Momenten wird Wissenschaft zur Charakterfrage. Bossert ließ weiter graben. Er ließ da und dort sondieren, und es klingt zwar märchenhaft, aber einen Meter neben den pseudohethitischen Hieroglyphen fand sich die wirkliche Hieroglyphenschrift.

Die Kampagne vom Herbst 1947 wurde die erfolgreichste. Auch später ist noch viel gefunden worden –vor allem die Umgebung wurde genau erforscht, wobei ein hethitisches, später römisches Vorwerk auf dem Domuztepe gefunden wurde. Doch übertrafen die Ergebnisse der Herbstgrabung alle späteren bei weitem.

Nach der Ausgrabung von 1947 wurde unverzüglich die Übersetzung der phönizischen Texte vorgenommen. Da es sich um ein Idiom  (3)handelte, das sehr alt war, lag hier eine Aufgabe für Spezialisten vor. Bossert, der sich sofort den Hieroglyphen widmen wollte, sandte die ersten phönizischen Texte an mehrere bedeutende Semitisten (4). Als erstes sandte er eine Abschrift der Statuen-Inschrift, deren Sockel, der sogenannte “Löwenstein”, ja den Anlass zur Entdeckung des Karatepe gegeben hatte. Der Stein war inzwischen recht berühmt geworden.

Immerhin erfahren wir, dass der Verfasser der Inschrift ein König war, dessen Name sich in der vokallosen semitischen Schrift “ztwd” schreibt, was Bossert dann später auf Grund der vokalhaltigen Hieroglyphen zu “Asitawandas” ergänzen konnte. Die Tatsache, dass hier reines Altphönizisch ohne aramäische Beimischungen geschrieben ist, erlaubt uns, den König zu datieren: er lebte gewiss im 8. Jahrhundert v. Chr. und, wie sich aus anderen Befunden noch schließen lässt, wahrscheinlich gegen 730 v. Chr. Um diese Zeit etwa, vielleicht noch zu seinen Lebezeiten, wurde der Karatepe von Feinden erobert und zerstört.

Asitawandas rühmt sich mit einer gewissen hethitischen Bescheidenheit:

“Und ich baute diese Stadt und gab ihr den Namen Asitawanda ... Und ich baute starke Befestigungen an allen Enden, an den Grenzen und an den Orten, an denen schlechte Menschen Anführer von Banden waren”.

Er nennt sich : “Herrscher der Donuna”, was, wie wir wissen, das Volk der Adana-Ebene war. Weiterhin berichtet er, dass er seine Westgrenze dadurch befriedete, dass er alle aufsässigen Bewohner an die Ostgrenze deportierte, legt aber unter wiederholter Betonung äußersten Wert auf die Feststellung, dass er und sein Volk stets in Glück und unentwegtem Wohlstand lebt! Und zumindest die Neigung zu solchem Dasein glaubt man dem rundlichen Herren, wenn man ihn bei seiner Tafelei betrachtet.
      

Südtor
   
Plan von der Südtor:

Wir sehen König Asitawanda beim Mahl. In seiner linken Hand hält er ein Stück Fleisch und mit der Rechten greift er nach Brot. Unter dem Tisch hockt ein kleines Äffchen, Diener wedeln die lästigen Fliegen beiseite. Im unteren Teil der Hauptszene werden ein Ochse und ein Lamm herangeführt. Auf der links anschließenden Reliefplatte bringen Köche und Diener Früchte, einen Hasenbraten und Getränke herbei, darunter spielen Musikanten zum Mahl auf.

Im Kontrast zum strengen Charakter der Orthostaten Reliefs anderer späthethitischer Fürstensitze wie Arslantepe (Malatya) und Kargamış, die im Traditionellen Stil (5) die Kunst der hethitischen Großreichzeit (6)  fortgeführt haben, sind bei den späten Reliefs vom Karatepe starke assyrische, aramäische und phönikische Einflüsse spürbar. Motive von Affen und Palmen sowie die Hinzuziehung der phönikischen Schrift machen das augenscheinlich. Auch haben die Künstler (7) die Reliefs ganz bewusst nicht für das strenge höfische Zeremoniell eines repräsentativen Palastes, sondern für die Leichtlebigkeit einer Sommerresidenz geschaffen; wie anders wäre der private und zugleich humoristische Charakter vieler Bilder zu deuten.



Nordtor
 Plan von der Nordtor:

Das Nordosttor war ursprünglich mit vier Löwen und zwei Sphingen geschmückt. Über umlaufenden hieroglyphischen Inschriften erkennt man auf den Einzelbildern der westlichen Orthostatenreihe einen Kalbträger, einen Vogelmenschen unter der geflügelten Sonnenscheibe, eine stillende Mutter, eine Bärenjagd, einen Tanz mit zwei Bären und darüber einen auf dem Rücken liegenden Hasen zwischen zwei Raubvögeln, eine weitere Bärenjagd, einen Dämon und andere Motive. Diese weitgehend burlesken (8) Bilder strahlen eine in der späthethitischen Kunst einzigartige Heiterkeit aus und sind in ihrer naiven (9) Darstellungsweise von großer Ausdruckskraft. 




 1.aus mächtigen Steinquadern errichtet.
 2. Ersten Ausgrabungen wurden 1947-1950 begonnen. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die Erfassung der Befestigungsmauern (welche ein Gebiet von etwa 195 x 375 m umschließen), auf die beiden Tore und die Residenz des Königs Azatiwata. Seit 1952 steht die Unternehmung Karatepe Aslantas unter der Leitung von Halet Çambel, in den Jahren 1952-1957 wurden (in Zusammenarbeit mit dem Instituto Centrale del Restauro) Restaurierungen der beiden Tore sowie unter der Leitung von Bahadir Alkim Ausgrabungen in einigen Bereichen der Befestigungsmauern sowie der Bebauung innerhalb der Mauern vorgenommen.
1997 konnte die Aufarbeitung der Architektur des Karatepe Aslantas in Zusammenarbeit mit Halet Çambel und dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Istanbul unter der Leitung von Martina Sicker Akman wieder aufgenommen werden.
3.feste Redewendung, eigentümliche Sprache.
4. an Johannes Friedrich nach Berlin, an Dupont-Sommer nach Paris, an Father
     O’Callaghan nach Rom und auch an R.D. Barnett nach London.
5.1050-850 v. Chr.
6. 1500-1200 v. Chr.
7.  mit Einverständnis ihres königlichen Auftraggebers.
8. spaßhaftes Musikstück
9.  das gilt besonders für das Relief der stillenden Mutter.



Ausruf des Astivata

Ich bin wirklich Astivatas
Der Mann meiner Sonne, der Diener des Sturmgottes
Der Herrscher von Adanava, groß gepriesen von Avariku
Der Sturmgott hat mich zur Mutter und zum Vater von Adanava gemacht und ich habe Adanava weiterentwickelt
Und ich habe das Adanava-Land erweitert, den Westen und auch den Osten des Tages
Und zu meinen Tagen hat Adanava Wohlfahrt Genugtuung, Bequemlichkeit gekostet, die Depots von Pahara habe ich gefüllt.
Zu Pferden habe ich Pferde hinzugefügt, zu Schildern Schilde, zu Heeren Heere, alles für den Sturmgott und die Götter
Die Prahler haben ihr Prahlen verlassen
Ich habe mir Schlösser bauen lassen, mein Stamm hat Behaglichkeit gefunden und ich habe den Vaterthron bestiegen, ich habe Friede mit allen Königen geschlossen.
Und die Könige haben mich als ihre Ahnen angesehen, wegen meiner Gerechtigkeit, Weisheit und Gutherzigkeit.
An all meinem Grenzen, habe ich starke Festungen bauen Lassen, an solchen Grenzen wo es schlechte Menschen, Bandenführer gibt;
Ich habe alle,die sich dem Hause Mopsos nicht unterworfen haben zertreten.
Ich habe alle Festungen in dieser Gegend vernichtet, habe Festungen errichtet damit Menschen in Adanavali in Ruhe und Frieden leben können.
Ich habe den Westen, starke Länder überwältigt, die die Könige, bevor mir nicht überwältigen konnten.
Ich Asativas, habe sie alle überwältigt, mir zu Dienern gemacht und sie den Osten meines Landes angesiedelt.
Und heute habe ich die Grenzen Adanavas den Westen, sowie auch den Osten erweitert.
Wo einst Männer sich trauten zu gehen, sich fürchteten auf einsamen Wegen zu gehen, laufen heute Frauen spinnwebend umher.
Und in meiner Zeit gab es Reichtum, Genugtuung, Ruhe und Frieden.
Und Adanava und das Land Adanava lebte in Zufriedenheit.
Und ich habe diese Burg bauen lassen und sie Asativadaya genannt,
Der Sturmgott und die Götter haben nicht dazu gedrängt, damit diese Burg die Adana-Ebene und das Haus Mopsos beschützt.
In meiner Zeit gab in den Grenzen der Adana-Ebene Reichtum und Zufriedenheit,
In meiner Zeit hat es keinen aus Adanava gegeben der dem Schwert unterlag.
Und ich habe diese Burg bauen lassen und habe sie Asativadaya genannt.
Ich habe dort den Sturmgott untergebracht und ihm Opfer dargebracht einmal im Jahr einem Ochsen, in der Pflüggezeit einem Schaaf und im Herbst einen Schaaf.
Ich habe den Sturmgott verehrt, er hat mir Lange Tage, zahlreiche Jahre und eine Kraft weit über dem Masse aller Könige.
Dank dem Sturmgott und den Göttern, wurden die Menschen die hier ansiedelten Besitzer von Ochsen, Herden, Reichtum und Getränken, wurden reich an Nachkommen.
Sie haben Asativatas und dem Hause Mopsos gedient.
Und wenn jemals ein König unter Königen, ein Prinz unter Prinzen, ein Angesehener unter Angesehenen den Namen des Asativatasanas von diesen Tore entfernt und einen anderen Namen einschreibt, darüber hinaus ein Auge auf diese Stadt hat und diesen Tor, den Asativatas erbauen liess vernichtet und ein anderes Tor baut und ihm seinen Namen gibt, wer wegen Habsucht, Hass oder Verachtung diesem Tor vernichte, dann werden der Gott es Himmels, der Erde und Sonne des Universums und Nachkommen von allen Göttern, wird dieser König, dieser Prinz oder dieser Angesehener von der Erde gewicht.
Nur der Name des Asativatas ist unsterblich, bis zur Ewigkeit,

genau wie die Sonne und der Mond.

Der Himmel und Die Hölle / Cennet Cehennem

Cennet Cehennem / Der Himmel  und die Hölle

Das Taurusgebirge ist ein riesiges Karstgebiet (Karst: Bezeichnung für alle durch Lösungsverwitterung in Kalk- und Gipsgesteinen entstandene Formen. Das Gestein wird bei diesem Prozess durch das im Wasser enthaltene Kohlendioxid gelöst und abtransportiert). Östlich von Silifke besteht das Gebirge bis zur Küste herunter aus ungefalteten Miozän-kalken (Miozän: 23 bis 5 Millionen Jahre vor heute). Das weiche Kalk-Gestein ist im Wasser leicht löslich und daher konnte sich ein reicher Formenschatz des Karstes bilden.

Durch unterirdische Ausspülung sind große Hohlräume entstanden, die im Laufe der Zeit in sich zusammenbrachen. So entstanden Einsturzdolinen riesigen Ausmaßes, auf Türkisch “obruk” genannt (Doline: Bezeichnung für trichter- und kesselförmige Hohlformen in Karstgebieten. Dolinen entstehen durch die chemische Verwitterung im kalkhaltigen Untergrund).



                             Cennet – Der Himmel

Der Himmel, die größere der beiden Dolinen, hat eine ovale Form (200 x 90 x 70 m). Der Boden der Doline ist mit Humus bedeckt und von Sträuchern und Kräutern bewachsen. In einer Ecke liegt der Ausgang einer abwärts ins Erdinnere gerichteten Karströhre. An ihrem Ende befindet sich ein Fluss, der letztlich die Ursache für das Entstehen der Doline ist. Der unterirdische Fluss (den man nicht sehen, aber manchmal hören kann) konnte das Kalkgestein auslösen und die gelösten Teile abtransportieren. Der unterirdische Fluss ergießt sich bei Narlıkuyu auf dem Meeresboden ins Meer. Dies gab in der Spätantike (4. Jh. N. Chr.) Anstoß zur Errichtung eines Badehauses. Der Statthalter Poimenion hatte die Quelle entdeckt und stiftete die noch heute erhaltenen Mosaike der “Drei Grazien”.


                    Kapelle der Jungfrau Maria

 Am Eingang  zur eigentlichen Grotte, 75 m tief unter dem Ausgangs-Punkt, befindet sich eine kleine Kapelle. Eine Inschrift über dem Eingang weist sie als Marienkapelle aus. Die Inschrift: “So wie Du (hl. Maria) voller Freude das Gotteswort empfangen hast, unbegrenzt, so lebe ich in dem kleinen Haus, das dein treuer Diener Paulus gebaut hat, indem er Christus, Deinem Sohn, nacheifert”.

Wahrscheinlich wurde die Kirche im 5./6. Jh. N. Chr. von einem Bürger namens Paulus errichtet. Wie lange sie in Gebrauch war ist ungewiss. Im 19. Jh. Wurde sie eine Weile als Moschee benutzt. Im Innenraum, der nicht überdeckt ist, ist noch Reste von Fresken erhält, die Jesus Christus und zu beiden Seiten Heiligenbilder zeigen.

Von der Marinenkapelle erreicht man über 150 glitschige Stufen, das Ende der Höhle in 260m Tiefe. Je tiefer man kommt, desto dunkler und enger wird die Höhle.


Cehennem – Die Hölle

 75 m nördlich der Himmelskarstdoline liegt zwischen Felsen die Hölle. Ihr Eingang ist 58m groß und sie ist 128m tief. In die Hölle kann man nicht absteigen. Es gibt lediglich eine Terrasse, von der man hinunterschaut.


Zeus-Tempel

Der Tempel wurde im 2./3. Jh. V. Chr. In dorischer Ordnung errichtet. Gegen Ende des 5. Jh. N. Chr. wurde die Anlage in eine dreischiffige Basilika mit Narthex umgewandelt.



9 Ekim 2011 Pazar

Chora Kirche - Kariye Camii

Der Name

Eine Theorie geht von der topographischen Bedeutung des Namens aus (Chora = Land, Feld, Dorf) und interpretiert den Namen (
Monh thV chwraV [moné tes chóras]) als "Außerhalb der Stadtmauern", "in den Feldern", da die Kirche außerhalb des besiedelten Stadtgebiets gelegen haben soll (vgl. St. Martin in the Fields, St. Germain de Près). Die symbolische Bedeutung, d.h. Chora als bestimmte mystische Eigenschaften von Christus bzw. Maria, soll erst nachträglich dazugekommen sein, als der ursprüngliche Sinn schon vergessen war, also als die Kirche durch die Ausdehnung der Stadt innerhalb der Stadtmauern lag. Daher erklären sich dann die Mosaiken-Inschriften über Jesus: chóra tôn zóonton (Land der Lebendigen) und die zwei weiteren Inschriften auf Marienbildern: cwra tou acwrhtou (Heimstadt des Unbegrenzten).

Auch der spätere türkische Name "kariye" (arab. Ursprung) bedeutet "Dorf, Land, Wiese, Feld".
Sicher ist, dass im 14. Jh. - während der Zeit Metochites - der Begriff "Chora" nicht topographisch sondern symbolisch verstanden wurde.



Die Bauphasen



Frühe Bauphasen

Vielleicht wurde schon unter Justinian an der Stelle des heutigen Klosters eine Kirche erbaut (nach dem Erdbeben 557?), erhalten sind nur Substrukturen, die weder genau datiert noch mit Hilfe von Quellen eindeutig identifiziert werden können. Schon davor soll dort ein kleines Gebäude gestanden haben, von dem nichts mehr erhalten ist. Die frühe Baugeschichte der Chora Kirche bleibt somit im Dunkeln; sie ist aber für unsere Zwecke auch nicht von Bedeutung.

Erste komnenische Kirche: Maria Doukaina

Im späten 11. Jh. (1077-81, lange glaubte man die Hauptkirche sei im 7. Jh. entstanden!) (phase 3) errichtete Maria Doukaina, die Schwiegermutter des Kaisers Alexios I. Komnenos eine kleine Kreuzkuppelkirche. Es deuten keine Anzeichen daraufhin, daß es sich um einen Umbau handelte, vielmehr muß angenommen werden, daß es sich um einen Neubau handelte. Diese komnenische Kirche hatte einen Hauptraum mit vier Säulen, die eine Kuppel trugen, sowie einen Narthex und eine Apsis. Heute sind nur noch Reste des Fundaments der Apsis erhalten. Die Kirche wurde durch ein Erdbeben zerstört.

Zweite komnenische Kirche: Isaak Komnenos

Ein Enkel der Maria Doukaina, Sabstokrator (Erhabener Herrscher) Isaakios Komnenos, der 3. Sohn Alexios' I. (abgebildet im Deësis-Mosaik), errichtete im frühen 12. Jh. (um 1120) (phase 4) eine Kirche, die als einschiffige Kuppelbasilika beschrieben wird, aber einen kreuzförmigen Grundriß mit kurzen Kreuzarmen besitzt (vgl. Kalenderhane). Diesen Grundaufbau zeigt auch noch die heutige Kirche.

Erhalten sind Mauern der Apsis und des Hauptschiffs, die in Ziegelbauweise ausgeführt wurden.

Bei den Renovierungsarbeiten wurde buntes Glas und Blei gefunden, was auf eine Ausschmückung der Fenster mit bunten Glasscheiben hinweist. Dies ist der Beweis, daß es auch in Byzanz bunt bemalte Glasfenster gab (was vorher nur für den Westen angenommen wurde; Gleiches wurde im Pantokratorkloster gefunden!).

Isaak Komnenos ließ seine Grablege nach Viros verlegen, da er dort ein weiteres Kloster gegründet hatte, ließ aber sein Stifterbild in der Kirche. Das palaiologische Mosaik der Deësis, auf dem Isaak abgebildet ist, gehört zum Zyklus der Metochites-Mosaiken, nimmt aber bezug auf ein älteres Stifterbild.

Die Restauration des Theodor Metochites

Theodor Metochites renovierte nicht nur die schon fast zerfallene Kirche in den Jahren 1315-21, sondern er baute auch Teile um (Esonarthex, Seitenapsiden) und ließ sogar neue Anbauten errichten (Exonarthex mit Glockenturm, Parekklesion, zweigeschossiger Annexbau im Norden) und die Kirche mit Mosaiken und Fresken ausschmücken. (phase 5)

Als Baumaterial wurde Hausstein und Ziegel verwendet, die in wechselnden Schichten aufgetragen wurden. Die resultierende dekorative Wirkung steht im Gegensatz zur einfachen Ziegelbauweise des komnenischen Kernbaus.

Metochites (* 1269, † 1332): Geboren in Konstantinopel, studierte Metochites politische Wissenschaften und Literatur. Er war ein großer Humanist, beschäftigte sich mit Philosophie (er schrieb einen Kommentar zu Aristoteles) und verstand einiges von Mathematik und Astronomie, darüber hinaus war er ein hervorragender Staatsmann, großer Schriftsteller, Theologe, Historiker, Schirmherr der Künste und Berater des Monarchen Andronikos II. Wegen seiner engen Verbindung zum Kaiser, wurde er 1327 (nach dem Sieg des Andronikos III. (Enkel des II.)) in den Kerker geworfen, gefoltert und verbannt, sein Besitz wurde geplündert oder beschlagnahmt, all seine Ämter wurden ihm genommen. Als ihm die Rückkehr erlaubt wurde, ging er ins Chora Kloster und nahm den Namen Theoleptos an. (Es war üblichen den einen geistlichen Namen zu wählen, der mit den gleichen Buchstaben wie der weltliche anfing.) Während der letzten Lebenszeit im Kloster fand Metochites Trost in Gesprächen mit seinem Freund Nikephoros Gregoras, der ebenso wie er ins Kloster verbannt wurde. Über Metochites schrieb Nikephoros später: "Vom Morgen bis in den Abend war er mit rastlosem Eifer in den Geschäften des Staates tätig, als ob Gelehrsamkeit ihm gar nichts gegolten hätte. Doch wenn er zu später Abendstunde den Palast verlassen hatte, wandte er sich der Wissenschaft mit solchem Fleiß zu, als sei er ein weltabgeschiedener Gelehrter, dabei stand er voll im Leben seiner Zeit." In seinem Kloster, von dem Metochites hoffte, es möge ihm "ein ruhmvolles Andenken bei der Nachwelt bis zum Ende der Zeiten sichern", In seinem Kloster starb er als Mönch am 13. März 1332 einen Monat nach Andronikos II. Begraben liegt er vor dem Innentor des Klosters, sein Grab ist mit einer Marmorplatte bedeckt.

Während der Belagerung 1453 beherbergte die Kirche das berühmte Gnadenbild der Maria Hodegetria. Als die Kirche dann von den Türken geplündert wurde, wurde es in Stück zerschlagen.

Das Kloster wird zur Moschee

Ungewöhnlich lang konnte sich das Chora-Kloster nach der Eroberung durch die Türken halten. Erst 1511 unter Beyazid II. durch Halim Ali Pascha wurde es zur Moschee. Bei der Umwandlung wurden die Fresken im Hauptschiff mit Holz verkleidet, der Wandschmuck in den Narthikes war immer frei geblieben. Auch wurde natürlich ein Minarett angebaut.

Renovierungsarbeiten in der türkischen Ära

1766 stürzte während eines Erdbebens die Kuppel der Chora-Kirche ein und mußte neu gebaut werden; daneben wurden mehrere Renovierungsarbeiten und Anbauten (Armenküche, Armenschule, Mausoleum) durchgeführt.

Renovierung im 19. Jh.

Im 18. Jh war die Kirche zu einer Ruine verfallen. Sie wurde 1875 unter Sultan Abdul Aziz und 1899 unter Abdul Hammit anläßlich des Besuchs von Kaiser Wilhelm II. restauriert.

Renovierung des Byzantine Institute, Inc. und des Dumbarton Oaks Centers for Byzantine Studies

Die Renovierungsarbeiten der beiden amerikanischen Institute dauerten von 1948 bis 1958. Die Mosaiken und Fresken wurden gesäubert und, wo sie von Farbe oder Putz verdeckt waren, freigelegt. Die Arbeiten sind ausführlich beschrieben in den Dumbarton Oaks Veröffentlichungen (siehe Literaturhinweise, Chora Kirche).

Die Architektur

Von außen ist bei der Chora-Kirche deutlich eine Asymetrie im Grundriß zu erkennen. Sie beruht auf den von Theodor Metochites durchgeführten Veränderungen, bei denen traditionelle Normen mit den Gegebenheiten der Kirche und den Wünschen des "Ktetor" (Gründers) in Konflikt traten. Denn die traditionelle Architektur forderte, daß der Haupteingang zur Kirche auf der Hauptachse des Naos liegen muß. Diese Achse lag aber im Fall des Chora-Klosters nicht in der Mitte der gesamten Kirche, denn Metochites ließ zwei Narthikes anbauen, die die Hauptfassade über die Breite der Kirche und des Parekklesions ausdehnte. Der Eingang wurde somit, wenn von außen betrachtet, nach Norden verschoben. Damit unterteilte er auch die Narthikes nicht mehr in zwei gleiche Teile. Also wurde der innere Narthex rechts durch ein Joch eingeteilt, während er links durch zwei eingeteilt wurde. Aufgrund der unterschiedlichen Größe der beiden äußeren Joche mußten auch die Kuppeln unterschiedlich groß ausfallen. Notwendig waren die beiden Kuppel aber einmal um den Narthex mit genügend Licht zu versorgen, zum anderen hätte nur eine das symmetrische Empfinden gestört und nicht genügend Platz für das ikonographische Programm geboten.

Aus den gleichen Gründen läßt sich auch die unterschiedliche Einteilung des äußeren Narthex erklären. Auch hier war die Achse für den Eingang vorgegeben, aber eben nicht in der Mitte.

Um die nichtquadratischen Joche mit einem Domikalgewölbe (Kuppelwölbung) zu überziehen, war es notwendig sie mit Hilfe von Bögen an den Ost- und Westwänden auf ein Quadrat zu reduzieren. Diese Art der Gewölbe in den Narthikes ist höchst ungewöhnlich (Normal sind Kreuzgewölbe, wie sie in Hagia Sophia, St. Irene, Konstantinos-Lips, Pammakaristos (die originalen, die heutigen sind türkisch), Pantokrator zu finden sind.). Diese Technik wurde wahrscheinlich gewählt, weil sie mehr und freier verfügbaren Platz für szenische Darstellungen bietet. Auch die Anzahl der Rippen in der Kuppel muß auf das ikonographische Programm abgestimmt gewesen sein, da die große Anzahl an Rippen sehr gedrängt wirkt und kaum aus architektonischen oder ästhetischen Gründen so angelegt worden sein kann.

All dies sind Hinweise darauf, daß die architektonische Planung und die Ausschmückung nicht zwei gänzlich getrennte Arbeiten waren, sondern daß schon bei der Planung des Bauwerks eine grobe Vorstellung vom Bildprogramm vorhanden gewesen sein muß, das auf den Aufbau der Kirche Einfluß gehabt hat. Allerdings sind bei den erzählenden Zyklen einige Wiederholungen und Streckungen zu beobachten (Die Speisung der Jungfrau im Tempel erscheint zweimal, das Massaker der Unschuldigen erscheint mit seinen vier Lunetten sehr gestreckt), was darauf hinweist, daß das Bildprogramm nicht bis ins Detail ausgearbeitet war, als die Baupläne entworfen wurden. Dadurch daß die beiden Bereiche architektonisches und ikonographisches Programm in gewissen Grenzen aufeinander abgestimmt sind, kann bei der Chora-Kirche von einem Gesamtkunstwerk gesprochen werden.

Die Mosaiken

Die Mosaiken stammen aus dem 14. Jh. (1310-20), sie sind während der Renovierungsarbeiten unter Metochites entstanden. Die Anordnung weist auf kein dogmatisches Schema oder System hin. Besonders im inneren Narthex weichen die Mosaiken vom Stil des 11. Jh.s stark ab, freiere Figuration und größerer Farbenreichtum, neue Hinwendung zum Naturalismus, mehr dem Diesseits zugewand (pastorale Szenen, Gewänder, Mimik). Beispiel: Hlg. Anna im Garten.

Die Mosaiken und Fresken der Chorakirche sind "Treibhausgewächse": Nichts in ihnen spiegelt die katastrophalen Verhältnisse jener Zeit wieder.

"Unter den erhaltenen Kunstdenkmälern der frühen palaiologischen Periode ist die malerische Ausstattung des Choraklosters das großartigste Beispiel. Die Mosaiken zeigen ein bemerkenswertes technisches Geschick, dem Zeitgeschmack durch die besondere Behandlung des Materials entgegenzukommen. Obwohl die Einzelfiguren - Christus und die Heiligen - in der Chorakirche sich etwas von der schimmernden Würde der Vergangenheit bewahrt haben, sind ihre Gesichter und Haltungen doch menschlicher geworden;"

Betritt man die Kirche fällt zuerst das Mosaik des Pantokrator auf, er empfängt den Betrachter. Er ist ein erster Hinweis auf die Widmung der Kirche. Ihm gegenüber ist ein Mosaik der Jungfrau Maria, auch ihr ist die Kirche gewidmet. Besonders deutlich wird dies betrachtet man die Inschriften der beiden Bilder: "Jesus Christus, das Land (chora) der Lebendigen" ist auf dem Pantokrator-Mosaik zu lesen und "Die Muttergottes, die Heimstatt (chora) des nicht zu Haltenden (des auf das weltliche Leben verzichtenden)" auf der Mariendarstellung. Beidemal ist der Name der Kirche im Schriftzug enthalten, was auf die enge Verbindung der Personen mit der Kirche deutet. Durchschreitet man den Eingang zum inneren Narthex, steht man gegenüber des Stifterbildes; wie in den beiden voraufgehenden Bildern erscheint auch hier in der Inschrift ein Hinweis auf den Namen der Kirche. Die Aufmerksamkeit wird dann auf das große Bild der Deësis gelenkt. Auch hier stehen Jesus und Maria im Vordergrund, obwohl man noch Johannes den Täufer erwarten würde, wie es die traditionelle Konvention vorschreibt. Hier werden somit bewußt Traditionen gebrochen, um deutlicher auf die Hauptpersonen der Kirche hinzuweisen. Richtet man den Blick nach oben, sieht man in der Kuppel eine Darstellung Christi umgeben von seinen Vorfahren. Sie sind inhaltlich und ikonographisch in vier Gruppen geteilt, die ersten beiden (die frühen Patriarchen von Adam bis Jakob und die Söhne und direkten Nachfahren Jakobs) sind in den zwei Reihen der Kuppelrippen der Südkuppel. Fortgesetzt wird die Reihe in der Nordkuppel die von einem Bildnis Mariae bekrönt wird. Hier ist man dann auch schon am Beginn des Marienzyklus, der durch die ersten drei Joche des inneren Narthex führt und durch den Jesuszyklus (Kindheit und Heilswirken) im äußeren und inneren Narthex direkt weitergeführt wird. Das Ende der Zyklen befindet sich wieder unter der Südkuppel, so daß die Zyklen im ursprünglichen Sinne des Wortes "Kreise" bilden. Die beiden Kuppeln stehen inhaltlich zwischen den Andachtsbildern und den erzählenden Bildszenen und bilden sozusagen ein Vorspiel für die drei Zyklen.

4 Ekim 2011 Salı

Die versunkene Kunst von Zeugma (2Teil)

Die versunkene Kunst von Zeugma.
Die am westlichen Ufer des Euphrat gelegene Stadt Zeugma ist um 300 v.Chr. von Seleukos Nikator, einem der Generäle von Alexander dem Großen, unter dem Namen "Seleukeia Euphrates - Seleukeia am Euphrat" gegründet worden. Unter der Souveränität des Römischen Reiches wurde der Name in Zeugma geändert, was soviel wie "Brückenstadt - Platz des Überganges" bedeutet . Ein Teil der Stadt ist heute durch das Wasser des Birecik Staudammes überflutet .

Nach dem berühmten Geographen Strabon gehört Zeugma ab Pompeius zum kommagenischen Königreich, danach zur römischen Provinz Syria. In der Antike bildete die Stadt für die West - Ost laufende Seidenstraße die wichtigste Brücke über den Euphrat. In Zeugma wurde in der römischen Kaiserzeit die legio IIII Scythica mit 7000 Soldaten stationiert. Diese Garnison schützte die Ufer des Euphrat und gab so den Kaufleuten Vertrauen, sodaß der Handel zunahm. Durch den Handel und die Fruchtbarkeit des Euphrats wurde gewährleistet, daß Kaufleute und die oberste Soldatenschicht besonders an den Terrassen des Euphrat große Villen errichten konnten. Da sich die Stadt am Kreuzungspunkt der Straßen befand und eine Handels- und Garnisonsstadt war, kam eine große Anzahl an Künstlern nach Zeugma, die auch die einheimischen Künstler ausbildete. Sie schmückten Zeugma mit für uns heute sensationell reichen Bodenmosaiken, Wandfresken und Statuen. So ist die Stadt Zeugma ein gutes Beispiel für das Vorhandensein von Wirtschaftsblüte und Kulturreichtum geworden.
Die in der römischen Kaiserzeit immer größer und schöner werdende Stadt wurde im Jahre 252 n.Chr. durch den Angriff der Parther oder Sassaniden niedergebrannt und zerstört. Während der Ausgrabungen wurden sehr viele Belege gefunden, die dies beweisen. Über allen Bodenmosaiken lag dichte Asche und verbranntes Holz. Die Brandschicht wird in die Mitte des 3.Jhs. n.Chr. datiert. In der byzantinischen Zeit wurde die Stadt verkleinert und verlor ihre alte Bedeutung.

Als man im Jahre 1994 mit dem Bau des Birecik Staudammes begann, startete das Museum in Gaziantep einen internationalen Aufruf für eine Zusammenarbeit zur Rettung der archäologischen Reichtümer in und um Zeugma. Diesem Aufruf folgend ist seit 1996 ein französisches Team unter Dr. Caterine Abadi und seit 1997 ein Schweizer Team an den Ausgrabungen beteiligt. Diese Teams haben einen topographischen Plan von der antiken Stadt erstellt, vorrangig wurden die Bereiche der Stadt (wie das Forum), die unter den Wasserfluten des Staudammes bleiben würden, und das Legionslager untersucht und ausgegraben.

Daneben wurde auf den Terrassen der Stadt gearbeitet. Die Ausgrabung der sich auf der zweiten Terrasse befindenden römischen Villen, die im Juni 2000 unter den ansteigenden Fluten des Birecik Staudammes geblieben sind, wurde gegen Ende des Jahres 1999 durch die Direktion des Museums Gaziantep begonnen. Anfang des Jahres 2000 konnten durch das große Interesse des Vali von Gaziantep, dem sehr geehrten Herr Muammer Güler, die Ausgrabungen mit großer Schnelligkeit fortgesetzt werden. Hier sind generell zwei große Villen mit unterschiedlichen Grundrissen ausgegraben worden, deren Gesamtkomplex der Architektur des römischen Kleinasiens eine neue Dimension gibt.
Bis heute fanden sich auf einer annähernd 1000m2 großen Fläche ein Zweivillen-Komplex, dessen Größe und Architektur beeindruckend sind. Die Ruinen sind bis zu 3m hoch erhalten. Die Mauern des unteren Stockwerkes und die Architekturteile der Peristyle sind aus dem in der Umgebung vorkommenden, blaßgelblichen, weichen Stein der Region gefertigt. Die 0,5-0,6 x 1-1,2 m großen Blöcke der generell 0,6m dicken Mauern sind ohne Verklammerung versetzt. Die Mauern des zweiten Stockes bestehen aus Lehmziegeln.